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Matrix in Bil´in: Capital, settlements and civil resistance to the separation fence, or: a history of colonial capitalism in present-day Israel

von Prof. Gadi Algazi, Tel Aviv University

im Auftrag der Zeitschrift "Historische Anthropologie" mit freundlicher Genehmigung des Autors übersetzt aus dem Englischen von Devrim Karahasan als:

 

"Matrix in Bil´in: Kapital, Siedlungen und bürgerlicher Widerstand gegen den Grenzzaun, oder: eine Geschichte des kolonialen Kapitalismus im heutigen Israel" (*)

 

In Scharen kamen die ehrfürchtigen Reporter einer nach dem anderen, um einem Wunder beizuwohnen. Anschließend quollen die Zeitungen über mit ihren Stories. Endlich - so schrieben sie - haben wir High-Tech für die Gläubigen, ein Rezept gegen Arbeitslosigkeit und respektable Arbeit für ultraorthodoxe Frauen. Denn: Software-Unternehmen wie "Imagestore" und "CityBook" rekrutieren ultraorthodoxe jüdische Frauen. Den Trend führt das Software-Unternehmen "Matrix" an, eines der größten in Israel, das ein Entwicklungszentrum namens Talpiot eröffnet hat - das offensichtlich nach der Elitekampftruppe der israelischen Armee benannt wurde -, und ultraorthodoxe Frauen anwirbt. Deren Anzahl hat bereits 150 erreicht, und es wird erwartet, daß es dieses Jahr sogar bis zu 500 werden. „Dies ist ein Entwicklungszentrum in der Nähe des eigenen Zuhauses, in einem homogenen Umfeld, und aufgeschloßen gegenüber den Bedürfnissen von Frauen", schreibt der CEO von "Matrix" auf der firmeneigenen Webseite.1 Es würden die Regeln des Kashruth befolgt, und man finde getrennte Küchen für Männer und Frauen vor. Es gibt auch einen "Einspritzpumpenraum" für Frauen, die ihre Babys stillen, was Neugier bei den Journalisten und peinliche Gefühle bei den „girls" - wie man sie dort nennt - hervorruft. Das Ministerium für Industrie, Handel und Arbeit hat einen Kurs für 35 der Frauen genehmigt, und das Finanzministerium subventioniert das Projekt mit einer Summe von 1.000 shekel [215$] pro Monat für jeden Arbeiter.2 „Wenn Sie es gewohnt sind, an High-Tech Arbeiter als säkulare Yuppies zu denken, die mindestens das Doppelte des Mindestlohns verdienen, dann sollten Sie mal die technologischen Entwicklungsprojekte in der ultraorthodoxen Stadt sehen", schrieb ein orthodoxer Reporter: Hier „beschäftigen sie ultraorthodoxe Frauen in technologisch anspruchsvollen Jobs, und einige davon ziemlich "high-tech", wie beispielsweise Programmieren und Code-Entwicklung",3 - berichtet der Reporter, der eindeutig unter dem Bann der High-Tech Ära steht, wobei er nicht erwähnt, wie viel die Frauen eigentlich tatsächlich verdienen.

 

Modi´in Illit gegen Bil´in

Wo ist dieser wundersame Ort, an dem - als gäbe es nicht schon genug davon - zwei Unternehmer mit spezieller Regierungsunterstützung versuchen, Kindertagestätten am Arbeitsplatz zu errichten, um den Arbeitern besser zu dienen? 4 Die meisten Arbeiter können nur davon träumen, über eine Kindertagestätte am Arbeitsplatz zu verfügen. In Modi´in Illit sind diese Träume wahr geworden.

All das geschieht in den besetzten Gebieten. Die Artikel, die die Projekte anpreisen, für die verschiedene PR-Agenturen in den letzten Monaten geworben haben, übergehen ausnahmslos die simple Tatsache, daß Modi´in Illit eine Siedlung ist, die in der besetzten West Bank liegt, auf dem Boden von fünf palästinensischen Dörfern: Ni´lin, Kharbata, Saffa, Bil´in, und Dir Qadis.5 Und tatsächlich ist Modi´in Illit diejenige der Siedlungen in der West Bank, die momentan am schnellsten wächst, und sie wird zudem bald den Status einer Stadt erhalten. Heute beträgt ihre Einwohnerzahl mehr als 30.000, und das Ministerium für Wohnungsbau projektiert 150.000 Bewohner für das Jahr 2020. Die Expansion von Modi´in Illit hat den Ruin der palästinensischen Bauern des Dorfes Bil´in verursacht. Der Grenzzaun, der zwischen Modi´in Illit und Bil´in gebaut wird, verschluckt etwa die Hälfte der Dörfer der Gegend, und etwa 2000 dunums (445 Morgen= ca. 18.000 km2), zuzüglich der Ländereien, die in der Vergangenheit gestohlen wurden. Die Bauern von Bil´in werden der zukünftigen Expansion der Kolonie willen enteignet.

Seit Februar 2005 leisten sich die Bewohner von Bil´in einen unblutigen Volksaufstand gegen den Grenzzaun, welcher sie ihres Landes beraubt. Gemeinsam mit israelischen Friedensaktivisten und internationalen Volontären haben sie jede Woche Hand in Hand vor den Bulldozern und Soldaten demonstriert. Sie haben sich einer Gruppe von palästinensischen Dörfern angeschlossen, die vom Grenzzaun direkt betroffen sind - Jayyous, Bidd, Dir Ballut, Budrus, um nur einige zu nennen -, die in den letzten paar Jahren anstrengende Kampagnen friedlichen Widerstands gegen die Mauer geführt haben. Diese Kampagnen, die außerhalb Palästinas nahezu unbekannt geblieben sind, und oftmals von den „lokalen Volkskomitees gegen den Zaun" koordiniert werden, haben bescheidene, aber doch nennenswerte Erfolge erzielt - indem sie das Voranschreiten des Zaunes verhindert oder verlangsamt haben, der ihre Ländereien verschluckt und sie zu einem Leben in kleinen und mittelgroßen Enklaven verdammt hätte. Außerdem haben sie seinen Verlauf geändert und einige ihrer Weinberge und Felder zurück gewonnen sowie unblutige Volksaufstände und den gemeinsamen israelisch-palästinensischen Kampf zu einer ernsthaften politischen Option unter sich stetig verschlimmernden Bedingungen gemacht.

Mehr als 150 Menschen wurden in der gewaltsamen Auflösung von gemeinsamen israelisch-palästinensischn Demonstrationen in Bil´in verletzt, und zahlreiche wurden unter verschiedenen Vorwänden festgenommen. Streitkräfte der israelischen Armee, die Grenzwacht, die israelische Polizei und private Sicherheitsfirmen wurden gegen die Protestierenden eingesetzt. Polizeiknüppel, Tränengas, Gummigeschosse und Scharfschüsse haben die Demonstranten stark strapaziert. Mit nächtlichen Räumungen und Festnahmen haben israelische Streitkräfte versucht, die Mitglieder des Volkskomitees von Bil´in abzuschrecken, die selbst in diesen Tagen des Hasses und der Angst standhaft den Prinzipien gewaltlosen Widerstands und offener Kooperation mit israelischen Gegnern der Besetzung treu geblieben sind.6 Der Gefängnisdienst schickte sogar seine Spezialkräfte (die Masada-Einheit) - als Araber verkleidete Provokateure, die an den Demonstrationen teilnahmen und versucht haben die Menge aufzuwiegeln und die Demonstranten dazu anzustacheln, Gewalt gegen die Soldaten anzuwenden.7 Allein die Entschlossenheit der Mitglieder des Volkskomitees von Bil´in hat verhindert, dass diese Provokationen eine unkontrollierte Eskalation verursachen konnten, die für viele mit dem Tod hätte enden können. Der Zaun muss in der Tat schwer beschützt werden - und zwar vor dem gewaltlosen Protest der palästinensischen Dörfler und deren Alliierten. Und der Zaun ist dazu da, um das koloniale Projekt - Modi´in Illit - zu schützen.

Tatsächlich ist der Zaun auf den Ländereien von Bil´in gebaut worden, um die zukünftige Expansion der Siedlung für die Errichtung neuer Viertel zu gewährleisten, für die es meist nicht einmal einen Bewilligungsplan gibt. Hier, an Israels  grüner Grenze, ist es möglich, Tausende von Wohneinheiten zu bauen, und das ganz ohne Baugenehmigung oder bewilligtem Masterplan. Nicht weniger bedeutsam ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Siedlung von Modi´in Illit kein Projekt der nationalistischen messianischen Siedler und deren politischer Repräsentanten ist. Es ist vielmehr das Produkt einer heterogenen sozial-politischen Allianz der Grundstücksentwickler, die an Land interessiert sind, Kapitalisten, die die Chance ergreifen, von Landkonfiszierungen und Regierungssubventionen zu profitieren, Politiker, die das Kolonialisierungsprojekt unter dem Banner von Sharons „Disengagement Plan" - und mit firmeneigener, unfreiwilliger Arbeitskraft - vorantreiben.

 

Siedlungen und Grundstücke

Die Partner, die an der Expansion von Modi´in Illit beteiligt sind, verdienen genauere Betrachtung. Die maßgeblichen Unternehmen sind die Firma Denya Cebus (eine Tochtergesellschaft der „Africa-Israel Corporation", die im Besitz eines der mächtigsten Geschäftsleute Israels, Lev Leviev, ist, der sich auch am Aufbau vieler anderer Siedlungen beteiligt),8 der Geschäftsmann und ehemalige Chef der Bauunternehmer-Vereinigung, Mordechai Yona, der orthodoxe Geschäftsmann Pinchas Salzman, und Tzifcha International. Handfeste Finanzinteressen sind also im Kampf um Grundstücke in Bil´in beteiligt. Es steckt Profit im Zaun; die Investoren haben indes auf einen bestimmten Verlauf des Zaunes bestanden, der die Dörfler von Bil´in von ihrem Land trennt, um die eigenen Investitionen zu sichern.

Modi´in Illit wurde 1996 auf Initiative von Privatunternehmern ursprünglich unter dem Namen Kiryat Sefer gegründet; die verschiedenen Viertel wurden später zusammengelegt als „Modi´in Illit" (auf Hebräisch: Upper Modi´in). Wie bei anderen Siedlungen auch ist der Name irreführend, da er suggeriert, dass sie nicht in der West Bank, sondern in der Stadt Modi´in innerhalb Israels Grenzen vor 1967 liegt. Viele Israelis haben erst kürzlich - in Folge der anhaltenden Proteste der Bewohner von Bil´in und dem Skandal über die Methoden der Investoren, sich deren Land anzueignen -, entdeckt, dass Modi´in Illit tatsächlich eine Siedlung ist.9 Deren Gründer waren zwei Unternehmer, Anhänger des Rabbi Shach, die kostengünstige Unterkünfte für orthodoxe Familien bereitstellen wollten. Die enge Kooperation zwischen dem Stadtrat von Modi´in Illit und mächtigen Privatunternehmern, die spezielle Zuschüsse und Verträge ohne Ausschreibung bekamen, ist im Bericht des staatlichen Buchführers genau dokumentiert: immer wieder versuchte der Stadtrat, seine enge Kooperation mit den Investoren zu rechtfertigen, und argumentierte, dass der private Auftraggeber „bereits Wohneinheiten und andere Projekte in der Gegend gebaut hat" und „dass ein dringender Bedarf besteht, das Projekt fertig zu stellen". In Israels "Wildem Osten" ermöglicht der Druck nach vollendeten Tatsachen, dass die Bauunternehmer freie Hand haben; die politische Dringlichkeit des Kolonisierungsprojekts funktioniert im Tandem mit den Bemühungen der Investoren, sich schnelle Profite zu sichern.

Der staatliche Buchhalter hat ermittelt, dass der Stadtrat von Modi´in Illit 10% der Steuern eingetrieben hat, die die Entwickler auf den Ländereien ihm schuldeten und dass der Stadtrat „die Schulden, die ihm [von Seiten der zwei Hauptbauunternehmer der Siedlung] zustanden, aufgehoben hat", „durch dubiose Buchhaltung, die auch zukünftige Bauprojekte einschließt, noch bevor sie die erforderlichen Genehmigungen für den Bau erhalten haben". Tausende von Wohneinheiten wurden in der Tat in Modi´in Illit unter Missachtung der Gesetze gebaut - und mit dem ex post facto Einverständnis des Stadtrats.10 In einem Gebiet beispielsweise hat der Stadtrat den illegalen Bau schöngefärbt, indem er rückwirkende Korrekturen des Flächennutzungsplans vornahm. Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 1998, war das gesamte „Brachfeld Grundstück" - auf dem Boden von Bil´in - ohne Baugenehmigungen errichtet worden. Bedarf es der Erwähnung, dass nicht ein einziges dieser Häuser abgerissen wurde?11 Die Bewohner von Bil´in an Israels "Hohen Gerichtshof" haben in ihrem Einspruch vorgebracht, dass ein Großteil der Abwäßer aus den Vierteln von Modi´in Illit in den dortigen Fluss fließe und dadurch die Wasserreserven der Gegend verschmutze. All dies ist nicht lediglich eine Folge der Korruption oder von verfehltem Management, sondern ein strukturelles Charakteristikum der kolonialen Grenze: unkontrollierte Besiedlungsaktivität bringt die Möglichkeit mit sich, immense Profite auf Kosten des menschlichen und natürlichen Umfelds zu machen. Die Siedlung selbst jedoch wird sauber gehalten. Als gut gepflegte Stadt hat Modi´in Illit den „Beauty Star"-Preis des „Komitee für ein schönes Israel" gewonnen. Beamte in einem der zentralen Viertel behaupteten, daß „aus Prinzip und der Sicherheit zuliebe" keine Araber angestellt worden seien.12

Die Bewohner von Bil´in sind sichtlich mit einer mächtigen Allianz von politischen und wirtschaftlichen Interessen konfrontiert. Die zwei Viertel, die auf ihren gestohlenen Ländereien gebaut werden sollen, umfassen insgesamt 5.500 Wohneinheiten. Das „Green Park" Projekt wird von dder Firma "Denya Cebus" gebaut, die von Lev Leviev und seinem Geschäftspartner, dem amerikanischen Grundstücksinvestor und Lubavitch-Anhänger Shaya Boymelgreen, kontrolliert wird. Es ist ein riesiges Projekt mit 5.800 geplanten Wohnungen, ein 230-Millionen-Dollar Unterfangen.13 Die Einkünfte von "Africa-Israel", der Grundstücksinvestment-Firma, die Leviev gehört, verbuchte 2005 einen starken Zuwachs; dessen Betriebsgewinne stiegen um 129% an und sind nun bei 1.1 Milliarden israelischen shekel [2391 Millionen Dollar] in den ersten drei Quartalen des Jahres angelangt.14

Doch es lohnt sich auch, der Identität der seltsamen Bauunternehmer Aufmerksamkeit zu schenken, die behaupten, legale Besitzer der Länder zu sein, auf denen die neuen Stadtviertel gebaut werden. Diese Bauunternehmer sind keine geringeren als Israels „Verwalter herrenlosen Grund und Bodens“15 und der fast unbekannte Rückkauf-Fonds. Der vor 20 Jahren gegründete Rückkauffonds (LRF) der Siedler koordiniert die Übernahme palästinensischer Grundstücke in einer Reihe von Schlüsselgegenden, die für die Expansion der Siedlungen vorgesehen sind. Der Fonds wurde etabliert von einigen der ideologischen Führer der radikalen Siedler: Zvi Slonim, ehemaliger Generalsekretär von Gush Emunim, der Siedlerbewegung; Avraham Mintz, ehemaliger Gehilfe von Ariel Sharon, zu einer Zeit als dieser Wohnungsbauminister war, und Era Rapaport. Rapaport, ein Siedler aus Brooklyn, war einer der Gründer des jüdischen Terrornetzwerks, das in den besetzten Gebieten in den frühen 1980ern operiert hat; Rapaport diente im Gefängnis mehrere Jahre lang seinen Aufsehern, die an dem Mordanschlag an Baßam a-Shak´a, Bürgermeister von Nablus, der beide Beine in dem Anschlag verlor, beteiligt waren.16 Die Aneignungsmethoden des Fonds sind in einer detaillierten Untersuchung, die von zwei israelischen Journalisten gemacht wurde, beschrieben: „Das Netzwerk des Fonds besteht aus ehemaligen [palästinensischen] Kollaborateuren, die [unverschleiert] verbrannt wurden und in ihre Dörfer zurückkehrten, pensionierte israelische Angestellte des Allgemeinen Sicherheitsdienstes, die als bezahlte Informationslieferanten fungieren (sie können beispielsweise herausfinden, wem das Land praktisch gehört und wer es bebaut), und ehemalige Militärgouverneure, wie zum Beispiel der späte Yehoshua Bar-Tikva, der Militärgouverneur von Tulkarm gewesen war, der und dessen Beziehungen in den Dörfern nach seiner Pensionierung vom LRF benutzt wurden." Arabische Strohmänner agieren als Vermittler in den Landdeals; sie fungieren für gewöhnlich als Käufer, während die Länder gekauft werden, indem sie „finanziert werden durch Geld von rechten jüdischen Millionären wie Lev Leviev, dem Schweizer Tycoon Nißan Khakshouri."17 Ähnliche Methoden werden auch angewandt, um der Ländereien in Bil´in habhaft zu werden.18

Das Projekt ist daher auf unentwirrbare Weise zugleich ökonomisch wie politisch: Annektierung und Kolonisierung zu fördern bringt satte Profite ein. Unter den Gebern des Fonds finden sich dieselben Kapitalisten, die auch in anderen Kontexten als Siedlungsbauer und Grundstücksinvestoren auftauchen. Sie schenken den radikalen Siedlern beträchtliche Summen nicht allein aus politischer Überzeugung, da ja schließlich Profit gemacht werden kann. Dieselbe Allianz findet man auch woanders in der West Bank. Der Rückkauffonds beispielsweise ist zugleich der Investor, der hinter der Expansion der Siedlung Tzufin steckt, das auf Boden liegt, das von Jayyous - ein weiteres palästinensisches Dorf, das die meisten seiner Ressourcen durch den Grenzzaun verlieren wird - gestohlen wurde. Hier ist die elffache Expansion der Siedlung im Gange. Der Bauunternehmer ist auch in diesem Fall eine Grundstücksfirma, die von demselben Lev Leviev kontrolliert wird.19

Die Gebiete, die sich der Fonds ausgesucht hat - Nirit, Alfei Menashe, Tzufin und Modi´in Illit - sind ebenfalls bedeutend: "Dessen Hauptanliegen ist es, die Grüne Line zu verwischen [Israels Grenze vor 1967], indem die Siedlungen an Gemeinschaften innerhalb der Grünen Linie gekoppelt und Gemeinschaften innerhalb der Grünen Linie in Richtung der Territorien ausgeweitet werden" um „vollendete Tatsachen zu schaffen".20 Diese Siedlungen sind Teil eines groß angelegten Projekts, das in den 1980ern begonnen wurde, um die Grüne Linie aufzulösen, indem man Oberschichtensiedlungen für nicht-ideologisch motivierte Siedler errichtet hat. Das Projekt wurde um 2003 herum nach der Fertigstellung von Teilen des Grenzzauns wieder aufgenommen, was zur de facto Annektierung von Teilen der West Bank geführt hat, die zwischen dem Zaun und Israel liegen. In diesen Gebieten konnte man nun einen höheren Lebensstandard versprechen, in einer Region, die für Investoren und Siedler sicherer gemacht wurde, da palästinensische Gemeinschaften einfach hinter der Mauer verschwanden.21

Israels Siedlungen in der Nähe der Grünen Linie und am Grenzzaun haben demzufolge eine strategische Bedeutung. Sie ergänzen das Projekt der Errichtung eines Zaunsystems, indem sie effektiv Teile der West Bank für Israel annektieren. Aber sie sind zugleich der strategische Ort, an dem eine mächtige politische und ökonomische Allianz zwischen Kapital, Siedlern und Regierungsbeamten allmählich Form annimmt.

 

Die Zaunkoalition schreitet voran

Die Pro-Zaun Koalition kristallisiert sich momentan um Sharon und dessen Erben heraus - eine politische Allianz der einer graduellen Expansion Ergebenen („Israel sollte die Siedlungsblöcke behalten") und "vernünftiger kolonialer Expansion (die nur dann vernünftig und hübsch aussehen kann, wenn sie mit ihren Freunden und Feinden verglichen wird, den „schlechten", hemmungslosen ideologischen Siedlern), allesamt vereint unter dem Banner der ethnischen Trennung und ökonomischen Privatisierung. Es verspricht Israel Frieden durch unilaterale Befriedung und partielle Annektierung durch Zerstückelung der West Bank und deren Zerschlagung in eingezäunte Enklaven. Es bedurfte einiger Zeit, bis die Zaunkoalition auf der politischen Bühne Form annahm – und deren Anhänger findet man zahlreich auch außerhalb der Partei, die um Sharons Vermächtnis herum geformt wird, Kadima („Vorwärts", oder in Althebräisch. „Ostwärts"), aber in Modi´in Illit und anderswo in der West Bank konnte man ihr soziales und ökonomisches Gegenstück für einige Zeit am Werk sehen: Dessen Kern wird geformt von einer unheiligen Allianz zwischen Siedlern und Staatsagenturen und sie treibt den Bau von Zäunen voran, Grundstücksfirmen und High-Tech Unternehmer, die „old" und „new economy". Die Siedlungen, die derzeit gebaut und in die Nähe des Grenzzauns ausgedehnt werden, sind der Ort, an dem diese wichtigen Bündnisse geschmiedet werden. Genau aus dem Grunde, weil sie nicht allein auf dem missionarischen Eifer der Hardliner fußen, sondern auch Antworten auf reale soziale Bedürfniße liefern – Lebensqualität für die obere Mittelschicht, oder Jobs und subventioniertes Wohnen für diejenigen Unterprivilegierten, die es dringend brauchen, diese Siedlungen sind in der Lage, die Machtbasis der Siedlungsbewegung auszudehnen und sie binden zusätzliche Wahlkreise: zu vorderst die echten Zaunprofiteure, Auftraggeber, Kapitalisten und unideologische Oberschichtensiedler, die Lebensqualität in neuen versperrten Gemeinschaften suchen, fern der Armen und abgeschirmt von den Palästinensern. Doch zudem binden sie diejenigen an das Kolonisierungsprojekt, die einen Weg aus der Misere, Großfamilien, die nach billigem Wohnraum oder neue Immigranten, die am Tropf der Regierungssubventionen hängen, und soziale Anerkennung suchen. Sie sind es, die den Preis zahlen - die Feindschaft und den Hass, den der Zaun hervorruft, und die völlige Abhängigkeit von Kapitalisten und Politikern.

In Modi´in Illit trifft die "old economy" der Bauunternehmer und Entwickler auf die "new economy" des High-Tech. Beide sind eng mit dem Staat verwoben: letzten Juni hat Mordechai Gutman, CEO von Matrix, in einer Diskussion mit dem Finanzminister Benjamin Netanyahu im Wissenschafts- und Technik-Komitee der Knesset Staatshilfe gefordert, um der Konkurrenz gegen die Billigprogramme aus Indien zu begegnen.22 Staatssubventionen unterstützen in der Tat das Projekt von Matrix in Modi´in Illit.23 „Wie der Finanzminister", sagt der Vorsitzende des Knesset-Komitees zu den Vertretern der High-Tech Firmen, „so denke auch ich, dass die Bandbreite der Interessen, die Sie hier am Tisch vertreten, zugleich das Interesse des Staates ist." Die Bauunternehmer und die High-Tech Firmen werden vom Kolonialprojekt aufrechterhalten, das ihnen billiges gestohlenes Land zur Verfügung stellt, sowie Staatssubventionen und öffentliche Gelder, Polizeimänner und Soldaten, die die Investionen sichern - und disziplinierte und firmeneigene Arbeitskräfte. Denn es sind diese Kolonien wie Modi´in Illit, 25 Minuten von Tel Aviv entfernt, in denen Matrix eine Alternative zu den billigen indischen Arbeitskräften gefunden hat. Die Lösung heißt „off-shoring" von Zuhause aus; es findet ganz in der Nähe statt, in Israels Hinterhof, an dessen kolonialer Grenze. Israelischer Kapitalismus gleitet nicht in einer digitalen Welt. Er wird zunehmend integriert in einen globalen Markt, er erneuert sich selbst durch die Einbeziehung in das koloniale Projekt, von dem es Ressourcen und Unterstützung erhält.

Es wird manchmal behauptet, dass es mit der Modernisierung des israelischen Kapitalismus möglich - und vielleicht sogar notwendig - werde, seine Bindung an den alten Kolonialismus aufzugeben. Der Fall "Matrix in Bil´in" demonstriert, dass israelischer Kapitalismus zugleich kolonial und digital sein kann, zwischen globalen Märkten und kolonialen Siedlungen, Kampagnen ungezügelter Privatisierung und massiven Regierungssubventionen hin und her flotieren kann. Sich selbst überlassen, ist er weder in der Lage noch empfänglich dafür, sich aus dem kolonialen Sumpf zu befreien - oder genügend Druck auf den Staat auszuüben, der ihn dazu anhält - das heißt, solange Israels koloniales Projekt nicht unwiderruflich ein Kurswechsel hin zu reinem Schuldenmachen und zum Widerstand der Kolonisierten und deren alliierter Kräfte wird.

 

Global, Digital und Kolonial

Wie viel zahlen sie eigentlich den Frauen, die für die Entwicklungszentren von Matrix in Modi´in Illit arbeiten? Sie werden als fleißig und effizient, und als außergewöhnlich produktive Arbeiterinnen beschrieben: „Was ein Monteur woanders in einer Wahnsinnswoche voller Druck und Schlaf am Arbeitsplatz tun kann, schaffen diese Mädchen hier locker in drei Tagen", berichtet der Leiter des Matrix Zentrums in Modi´in Illit einem Journalisten.24 Doch ihre Löhne betragen die Hälfte des Lohns eines Programmierers in Israels Landesmitte. Matrix bietet seinen Kunden die Arbeitskraft seiner Angestellten für 18 bis 20 Dollar die Stunde. Ein Anfänger im Matrix Entwicklungszentrum bekommt einen Mindestlohn - etwa vier Dollar - für eine Arbeitsstunde. Ein israelischer Journalist, Yoni Shadmi, hat folgendes herausgefunden: Die Mädchen im Matrix-Entwicklungszentrum spezialisieren sich in den Programmiersprachen Java und dot.net. Um einen Vergleich anzustellen: ein Anfänger-Programmierer mit denselben Fähigkeiten kann in Israel 10.000 israelische shekel im Monat verdienen [2.175$]. Ein geringfügig mehr erfahrener Programmierer, der nicht davor zurückschreckt seinen Lohn auszuhandeln, von denen es sicherlich mehr als einen in den bescheidenen Büroräumen von Modi´in Illit gibt, sollte, ohne viel Anstrengung, mehr als 20.000 shekel [4.350 $] im Monat verdienen. Im Matrix Entwicklungszentrum in Modi´in Illit, das in den Genuss von Arbeitern kommt, die fast japanische Standards an Pünktlichkeit, Fleiß und Mühe aufweisen, im Vergleich, werden Frauen mit weniger als 5.000 shekel [1.085$] bezahlt.

Während ihres ersten Halbjahres am Arbeitsplatz, an dem sie einen umfassenden Kurs erhalten, der sie auf den Job als Programmiererin vorbereitet, verdienen die Mädchen 2.000 shekel [435$] im Monat. Danach bekommen sie den Mindestlohn, der im Oktober 2005 3.335 shekel [725$] zuzüglich Auslagen betrug. Zu Beginn ihres zweiten Jahres bekommen die Mädchen 4.800 shekel [1.045$] im Monat. Der Staat zahlt der Firma 1.000 shekel [215$] im Monat für jeden Arbeiter […] und finanziert somit einen Teil der Löhne der Mädchen. Darüber hinaus sind sie an die Firma für mindestens zwei Jahre gebunden. Sie möchten gehen? Dann zahlen sie ein Bußgeld, das zwei Monatsgehältern entspricht. Prämien gibt es keine.25

Einer der Leiter des ultraorthodoxen Sektors erklärte einem anderen israelischen Reporter gegenüber: „Die ultraorthodoxe Gemeinde ist daran gewöhnt von quasi nichts zu leben, daher ist es schon viel für sie, wenn sie wenig verdienen."26

Die Pressesprecher der Firma sind darauf bedacht, den Journalisten zu erklären, dass dies nichts mit Ausbeutung billiger Arbeitskräfte zu tun habe. Die Löhne, die den ultraorthodoxen Frauen von Modi´in Illit gezahlt würden, so argumentieren sie, reflektierten nicht deren relative Produktivität oder den Wert des Produktes auf dem internationalen Markt, sondern eher „deren niedrige Lebenshaltungskosten" (eine bemerkenswerte, wenngleich nicht gänzlich unbekannte Theorie über den "Wert"!).27 Das Leben ist billig in den Kolonien; dies ist die israelische Antwort auf die Globalisierung. Doch wenn sie Kunden ansprechen oder mit ihren Erfolgen gegenüber ausländischen Geschäftsleuten prahlen, sprechen Matrix-Manager klar und deutlich von ultraorthodoxen Frauen als „einer billigen, örtlichen Arbeitskraft".28 Sie vertreten das gesamte Projekt als ihre Antwort auf die schnelle Globalisierung der High-Tech Industrie, eine erfinderische Antwort auf die Konkurrenz billiger Arbeitskräfte aus Indien oder Rumänien, zum Beispiel: "offshore outsourcing daheim", lautet ihre Formel. Weit entlegenere Programmierer einzustellen, die Arbeitseinsätze für Kunden jenseits des Meeres übernehmen sollen, um die Produktionskosten zu senken, wird zu einer gängigen Lösung in der neuen globalen Wirtschaft. Doch es bringe auch spezielle Schwierigkeiten mit sich, argumentieren sie, „aufgrund der geographischen und kulturellen Distanz" zwischen den Kunden, den Arbeitgebern und den Angestellten: unterschiedliche Arbeitstage, verschiedene Sprachen und eine andere „Arbeitskultur". Hier, so behaupten Matrix-Manager, sparen wir nicht nur die Reisekosten. Die Firma bietet Dienste zu einem „ähnlichen Preis an diejenigen, die aus asiatischen Ländern zur Verfügung stehen, aber mit den Vorteilen des Arbeitens mit einem örtlichen Entwicklungszentrums, im Genuss geographischer und kultureller Nähe." Doch das ist nicht ganz korrekt. „Geographische Nähe" verschleiert die speziellen Vorteile, die die Ansiedlung des Projekts in einem kolonialen Milieu mit sich bringt, und es ist genau die „kulturelle Differenz", die hier ausgebeutet wird, um das Meiste aus der Arbeitskraft herauszuholen.

 

Plünderungen und Disziplin

„Der Herr wird diese Anklage gegen die Alten und die Offiziere seines Volkes vorbringen: "Ihr seid es, die den Weinberg geplündert habt; Das, was von den Armen geraubt wurde (gzelat he-Anî) ist in euren Häusern´." (Isaiah 3:14)

Das Matrix-Entwicklungszentrum ist streng kosher. Zwei örtliche Rabbis - einer davon hat die Matrix-Angestellte geheiratet, die das Projekt initiiert hat - betreuen das Gelände. Das Siegel des Rabbi ist wichtig: „Wir halten hier sorgfältig jede koshere Regel ein,“ sagt der Firmendirektor, „damit wir das rabbinische Einverständnis nicht verlieren." Nebst der legitimen und unerlässlichen Berücksichtigung des Lebensstils und der Werte der Arbeiter, spielt rabbinische Unterstützung eine entscheidende Rolle im kapitalistischen Unternehmen: die arbeitenden Frauen „leben gemäß eines komplexen religiösen und professionellen Kodex", dieser strenge Kodex, so berichten Reporter, läge förmlich  „in der Luft".29

„Obwohl viele der Mitarbeiterinnen Mutter von sechs Kindern sind, lassen sie weniger Arbeitstage aus als es eine Mutter von zweien in Tel Aviv tut“, sagte ein Imagestore Projektdirektor in Modi´in Illit einem Journalisten: „Diese Frauen habe keine Probleme. Sie arbeiten einfach. Kein Rauchen oder Kaffeepausen, Plaudern am Telefon, oder Schauen nach Ferienangeboten in der Türkei. Pausen sind nur zum Essen da, oder um Muttermilch im Spezialraum zu geben. Einige der Frauen können zuhause vorbeischauen, stillen und zurückkommen."30 Zur Besichtigung kommende Journalisten waren beeindruckt von der Stille am Arbeitsplatz:

„Persönliche Unterhaltungen in den Arbeitsräumen des Matrix-Entwicklungszentrums sind verboten, nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch unter den Frauen. Sie bezahlen dich für acht Stunden Arbeit. Wenn einer zuviel spricht oder im Web surft, wird jemand anderes ihr sagen: "Hey, das ist Diebstahl [gezel]", als ob wir der Firma etwas wegnehmen würden. Einmal fragten wir, ob wir eine Pause von fünf Minuten machen dürften, um zu beten, aber der Rabbi sagte, das die alten Weisen keine Pausen machten, sondern die Shma [das tägliche Hauptgebet] verlasen während sie arbeiteten, und somit könnten wir das Gebet auf den Feierabend verschieben."

Alles in allem sind die Mädchen der Traum eines jedes Human Resource Managers. Wie Hil Tal erzählt: „Sie kamen zu mir und fragten „ist es uns erlaubt, miteinander zu sprechen? Dürfen wir uns am Telefon unterhalten?" Das Management erwiderte, dass sie es dürften, jedoch nur  in begrenztem Umfang. Die förmliche Einhaltung der Regeln wird sogar dann aufrechterhalten, wenn die Chefs nicht da sind. Der Betreuer der "Esti Gruppe" ist für gewöhnlich in Petach Tikva. Aber selbst dann, mit der Ökologie des gleichmäßigen Drucks unter den Mädchen, werden die Regeln befolgt. „Wir sind an Strenge und Gehorsam gewöhnt", sagt sie mit einem halben Lächeln, „wir haben uns daran gewöhnt, nichts Verbotenes zu tun, sogar wenn niemand guckt, weil nämlich von oben jemand zuschaut."31

Im Tausch mit dem rabbinischen Siegel werden die Investoren zu disziplinierten, kosheren Mädchen. Der Rabbi ist dazu da, Gehorsam gegenüber kapitalistischer Zeitdisziplin einzuimpfen. Der unheilvolle Begriff gezel - ein überladener moralischer Begriff in der jüdischen religiösen Tradition, der „mit Gewalt nehmen" und „Raub" bedeutet, wird in den Ländereien von Bil´in nicht verwendet, jedoch schon eher um zu beschreiben, wie die Zeit der Arbeitgeber durch nutzloses Geschwätz „gestohlen" werde. Die Eroberung palästinensischen Bodens, um Modi´in Illt zu errichten, wurde durch eine Partnerschaft von privatem Kapital und haßidischen, Land tilgenden Unternehmern bewerkstelligt; ebenso trifft man hier eine nicht weniger faszinierende Allianz zwischen der "new economy" und traditioneller Autorität. Wie die Rabbis, die dem Raub von Land ihr Siegel des Einverständnisses gaben, besteht kein Zweifel, dass die Matrix-Rabbis wichtige religiöse Regeln aufstellen: die Unterhaltung untereinander während der Arbeitszeit ist Diebstahl, da Geld Zeit ist, und Zeit gehört der Firma. Bei Matrix experimentiert man mit neuen Kombinationen - ein Mix aus gegenseitiger sozialer Kontrolle unter den Arbeitern (beidseitige Zensur ist der feuchte Traum eines  an Effizienz orientierten Managers), Überwachung und Disziplin, gepaart mit der Autorität eines Rabbiners.

Beim Lesen der Worte der Reporter, die über das Matrix-Entwicklungszentrum berichtet haben, bekommt man den Eindruck, eine Begegnung mit einem entfernten und exotischen Stamm zu erleben. Die Frauen des Stammes sind liebenswürdig, doch ihre Bräuche sind seltsam; sie halten einen strengen Ritualcodex ein und haben viele Kinder. Trotz ihrer seltsamen Art, so schreiben die Autoren, können sie zu produktiver Arbeit erzogen werden. Sie sind mit wenigem zufrieden. Sie sind diszipliniert und gehorsam, dank der Priester des Stammes, unter anderem, die ihre Autorität dem Befehl der Arbeitgeber hinzugesellt haben. Es besteht kein Zweifel: groß ist der Gewinn von Israels Kapitalisten. Indem sie sich den Herausforderungen der Globalisierung stellen, brauchen sie nicht weiter nach solchen Stämmen in entfernten Kolonien zu suchen. Ihre Kundschafter haben sie bereits gefunden im nahen, kolonialen Hinterhof.

Diese Beschreibungen erinnern eindeutig an die Debatten über das religiöse Ethos der Arbeiter und über Arbeitsdisziplin zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sollte man Max Webers kurzen Aufruf über fromme Frauen in seiner Protestantischen Ethik und der Geist des Kapitalismus zitieren? Doch man sollte diese idealisierten Repräsentationen - geschmiedet an der Schnittstelle zwischen PR-Experten, interessierten Selbstbeschreibungen von Arbeitern und den exotisierten Darstellungen von Journalisten - nicht für die Wirklichkeit halten. Die ultraorthodoxen Frauen, die für Matrix and dessen Äquivalent arbeiten, würden sicherlich Wege finden, sowohl die interessierten Verfügungen der Rabbiner als auch die Arbeitsplatzkontrolle zu umgehen. Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, dass es auch materielle Gründe für die immense Motivation der Arbeiter und die Arbeitsdisziplin, die zu herrschen scheint, gibt. Wo sonst könnten sie arbeiten? Eine der weiblichen Managerinnen des Projekts gibt unumwunden zu: „Es gibt keine Arbeit in Modi´in Illit, und Frauen haben keine Autos, um woanders hin zu fahren. Die meisten haben nicht einmal einen Führerschein, was es erforderlich macht, dass es einen Arbeitsplatz gibt, der sich in der Nähe des Zuhauses befindet." Die Quote an Autobesitzern in Modi´in Illit rangiert in der Tat unter den niedrigsten im ganzen Land - sechzig Vehikel pro Tausend Einwohner, und es existieren keine Industriegegenden.32

Vergessen wir für einen Moment die High-Tech Aura, die bereits verblasst ist mit der Transformation der High-Tech Industrie, und konzentrieren wir uns auf die repressiven Arbeitsbedingungen, die Unterordnung an eine enge Allianz aus Bauunternehmern und Arbeitgebern (eine der Auftragsfirmen prahlt damit, den Kontakt zwischen Grundstücksentwicklern und High-Tech Firmen hergestellt zu haben),33 das Fehlen von alternierenden Erwerbsquellen und die Anwendung von traditioneller sozialer Kontrolle - erinnert all dies nicht an die Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsstädten der Fünfziger, an die Fabriken, die behaupteten neuen Immigranten das Heil zu bringen? In beiden Fällen waren die Integration in Israels Kolonialprojekt und die Besiedlung seiner Grenzen die Vorbedingungen für den Zugang zu sozialen Grundrechten; dann wurden neue Immigranten aus der arabischen Welt schließlich porträtiert als ungelernte Arbeiter, denen es an Kompetenz fehle, genauso wie ultraorthodoxe Frauen hingestellt werden als aus der Dunkelheit kommend, von der Verschickung an den familiären Herd zu den Vorzügen des modernen kapitalistischen Unternehmens (dabei sowohl den tatsächlichen Bildungsgrad der Frauen als auch die Tatsache unterschlagend, dass ultraorthodoxe Frauen traditionell gearbeitet und ihren Lebensunterhalt verdient haben, während sie sich zugleich um die Familie kümmerten).34 Im heutigen Israel wurde von den neuen Siedlern gegen ihren Willen ein hoher Preis abverlangt. Der Grenzkolonialismus verstärkt die Abhängigkeitsbeziehungen und die Unterordnung an Bauunternehmer, den Staat und die Kapitalisten.

 

Kanonenfutter für das Kolonialprojekt

Die meisten Bewohner von Modi´in Illit sind ultraorthodox und haben viele Kinder; vor zwei Jahren, als einige von ihnen mit einem Reporter von Haaretz gesprochen haben, betonten sie, dass sie sich selbst nicht als Siedler sähen. Es ist die Wohnungsnot, die ultraorthodoxe Großfamilien ins Siedlungsprojekt gedrängt hat. Dort bekommen sie Regierungsunterstützung und Sozialwohnungen, die es in Israels Landesmitte nicht gibt. In der Siedlung Betar Illit (das voraußichtlich der nächste Schauplatz für den Kampf um den Bau des Grenzzauns sein wird) und in Modi´in Illit kostet eine Zweiraumwohnung weniger als 100.000$. „Und was würden sie denn auch machen? Nach Tel Aviv gehen, ins [Oberschichten-] Afeka ziehen?", sagte Professor Menachem Friedman, ein Experte der ultraorthodoxen Bevölkerung, einem Haaretz Reporter: „Ihre Situation war so ausweglos, daß sie bereit waren, überall hinzuziehen." Das ist genau das, worauf die Anführer der Siedler spekulieren. „Aber selbst wenn sie nicht aus ideologischen Gründen hierher kämen", sagt ein Wortführer des Siedlerrates voller Zuversicht - „würden sie ihre Häuser nicht so einfach aufgeben.“35 Folglich wird an manchen Etappen des Prozeßes über den Mechanismus, der Leute in den Kolonialprozess einbezieht und sie gegen ihren Willen zu Siedlern macht, offen gesprochen. 2003 ging der Bürgermeister von Betar Illit, Yitzhak Pindrus, so weit einem Reporter zu sagen, dass die Ultraorthodoxen gegen ihren Willen als „Kanonenfutter" in die besetzten Gebiete geschickt würden.

 

Matrix in Modi´in Illit

Matrix ist eine der größten Software-Firmen in Israel; es wird an der Börse von Tel Aviv mit einem Wert von einer halben Milliarden shekel gehandelt und beschäftigt etwa 2.300 Arbeiter. Laut Berichten lagen dessen Profite bei 61% im ersten Quartal 2005 und bei 76% im dritten Quartal, verglichen mit demselben Quartal im vorangegangenen Jahr.36 Unter den Klienten in Israel befinden sich Banken, öffentliche Institutionen, die Sicherheitsdienste und Privatkunden. Matrix IT wird kontrolliert von "Formula Systems" von der Formula Group, die weltweit 500 Millionen Dollar Umsatz macht.37

Matrix ist somit ziemlich angreifbar durch öffentliche Kritik und Boykott. Globale Unternehmer haben einen empfindlichen Nerv. Matrix ist zum Beispiel der Hauptlieferant einer der beliebtesten kommerziellen Versionen des Linux-Betriebßystems "Red Hat". Was würde Matrix tun, wenn Linux-Anwender Matrix boykottierten, und forderten, dass es seine Investitionen aus den besetzten Gebieten abzieht, oder Druck ausüben auf die öffentlichen Einrichtungen, die es unter ihren Kunden gibt (unter anderem haben die Hebrew University, das Weitzman Institut für Wissenschaft, die Ben Gurion Universität und die Universität Tel Aviv, an der ich arbeite, alle "Red Hat" von Matrix gekauft)?38 Was würde passieren, wenn Anwender den Firmen mit Boykott drohten - wie Oracle39 - die die Dienste des Entwicklungszentrums von Modi´in Illit nutzen? Das betrifft nicht allein Israel: Matrix repräsentiert einige der wichtigsten internationalen Firmen;40 alle sind empfänglich für öffentlichen Druck von Gegnern der Siedlungen. Und was ist mit "Formula Systems", denen Matrix gehört? Formula Systems ist sehr bedacht auf sein öffentliches Image. Es bemüht sich, sich als eine Firma darzustellen, die etwas zur Gesellschaft und deren technologischer Erziehung beiträgt, und zudem unterstützt es das Zentrum zur Förderung der sozialen und umweltpolitischen Verantwortung der Unternehmen in Israel. Auch die Kunden von Formula Systems könnten verlangen, dass Formula aufhört den Bau und die Expansion der Siedlungen in der besetzten West Bank zu unterstützen.

 

Zuckerbrot und Peitsche

Und was ist mit den Frauen von Modi´in Illit? Es ist nur einige Jahre her, da haben die ultraorthodoxen Siedler malgré eux in Betar Illit sich selbst als „Kanonenfutter" gesehen, doch nun, mit dem näher rückenden Zaun, setzen sie ihre Hoffnungen eher auf die Mauer - um Sicherheit in dessen Schatten zu finden und sich mit dem Enteignungsprojekt zu identifizieren.41 Auf ähnliche Weise sehen die Frauen von Modi´in Illit Matrix eher als Retter an, der ihren Lebensunterhalt sichert. Das ist das Gesetz von Zuckerbrot und Peitsche (und die Peitsche ist dieselbe Peitsche - Arbeitslosigkeit und Armut - die auch arabische Arbeiter, in Israel und den besetzten Gebieten, dazu bringt sich als Tagelöhner am Bau der Siedlungen und der Grenzzäune zu beteiligen). Nichtsdestotrotz sind sie Opfer des kolonialen Kapitalismus, wie viele andere auch, die in den Kolonialprozess durch die Ausnutzung ihrer sozialen Misere einbezogen wurden. Doch welche Zukunft erwartet sie und ihre Kinder, solange ihre Existenz auf dem Raub von Boden beruht und als menschliche Mauer dient, als Zielscheibe für den Hass der enteigneten Palästinenser? Worin besteht die Würde in der Unterordnung an Software-Giganten, die die Situation ausbeuten, angesichts der Tatsache, dass diese Korporationen nicht zögern würden, ihre Investitionen in dem Moment zu verlagern, in dem sie billige Alternativen finden?

Der Fall "Matrix in Bil´in" verdeutlicht somit nicht nur die soziale Allianz, die vom Grenzzaun und der Expansion der Kolonien profitiert, sondern sollte auch den Gegnern der israelischen Besetzung Zeit zum Nachdenken geben. Sollten sie lieber gegen die Arbeitsbedingungen der Frauen von Modi´in Illit kämpfen? Sie sind schließlich Siedler, die auf dem Land von Bil´in und den Nachbardörfern leben. Sie sind Usurpatoren - aber auch Opfer. Es scheint, dass es keine einfachen Lösungen für dieses Dilemma gibt. Aber es ist eines der drastischsten Fälle, der die Verknüpfung verdeutlicht, die zwischen Kapital und Siedlungen besteht oder zwischen diesen beiden und dem politischen Establishment, und zugleich die Verknüpfung zwischen antikolonialem Kampf - gegen die Enteignung der Palästinenser und die Expansion der Siedlungen - und dem Kampf für soziale Gerechtigkeit innerhalb Israels Grenzen.

Die Neuauflage von subventioniertem Bau weiterer Sozialwohnungen für Familien mit niedrigem Einkommen in Israel - ohne Unterschied von religiös oder säkular - wird einen drastischen Rückgang in der Bereitschaft mit sich bringen, in Siedlungen wie Modi´in Illit zu ziehen. Es gibt auch Alternativen zu den Pflichtkursen, die die Firma anbietet: nämlich öffentliche Bildung. Wenn der Staat Kurse und Grundbildung für alle, die sie brauchen, bereitstellt ohne Bedingungen daran zu knüpfen - also ohne, dass man sich am Siedlungsprojekt beteiligen, durch die Erniedrigung eines Wisconsin-Plans hindurch oder notwendigerweise den "richtigen" ethnischen Hintergrund, das passende Geschlecht  oder die richtigen Eltern haben müßte - der soziale Mechanismus, der die Arbeiter an die Arbeitgeber bindet und sie der Gnade des Firmenmanagements ausliefert, würde somit ernsthaft unterlaufen werden. Denn diejenigen, die sich bereits um die Lösung ihres Wohnungsproblems in den Siedlungen bemüht haben, werden auch dazu in der Lage sein, Arbeit in Israel zu finden. Den Mindestlohn anzuheben, die Arbeitsgesetze zu verschärfen, die nationalen Versicherungsprämien wiederherzustellen, die Einfuhr billiger Arbeitskräfte aus dem Ausland, zu der die Personalfirmen verpflichtet sind, zu beenden, mit der Beschäftigung von Arbeitern durch ausbeutende Firmen Schluss zu machen, mit anderen Worten: einen echten Wohlfahrtßtaat zu errichten - der soziale Rechte unabhängig von ethnischem Ursprung oder Partizipation am Kolonialprojekt zugesteht - würde die Hauptsiedlungen wie Modi´in Illit und Betar Illit sowie Teile von Ma´ale Adumim und Ariel leerfegen. Niemand würde sein Haus auf gestohlenem Boden bauen wollen, um Teil einer lebenden menschlichen Mauer zu werden. Dann würden palästinensische Bürger von Israel nicht länger auf den Bulldozern, die den Zaun errichten, oder als Subunternehmer für die Siedlungsexpansion arbeiten.

Im Moment beginnen die ultraorthodoxen Arbeiter sogar einen Teil dessen einzufordern, der ihnen zusteht; wir werden die Herren von Matrix noch erblassen sehen. Inmitten all ihrer sozialen Sorge und nationalen Verantwortung werden sie ihre Projekte mit einem Augenzwinkern nach Indien verlegen oder wo auch immer sie billige Arbeitskräfte finden werden. Nur ein ständiges Fordern von sozialer Gerechtigkeit kann die politisch-soziale Allianz zwischen Kapital und Siedlungen, zwischen den neuen Oligarchen und den alten landgierigen Nationalisten durchbrechen und einen Anfang für alle Enteigneten innerhalb Israels Gesellschaft schaffen, sich vom Griff von Matrix, Grundstücks-Tycoons und nationalistischer Ritter des „Landrückkaufs" zu befreien.

Globalisiertes Kapital transformiert nicht nur die Landschaft der besetzten West Bank, sondern auch Israels soziale Landschaft, ja die beiden Prozeße sind eng verknüpft. Nehmen wir beispielsweise Lev Leviev - einer der Hauptinvestoren in Modi´in Illit - als konkretes Beispiel: ein mächtiger Kapitalist, der sich selbst als ultraorthodoxen Anhänger der modernen, globalisierten jüdischen religiösen Sekte (Chabad) präsentiert, gründete sein Vermögen auf der Ausbeutung der Diamantenvorkommen in Afrika und dem Leid seiner Einwohner.42 Denken wir nur an die Millionen Menschen, die in der Provinz Ludas in Angola leben und mit ihren bloßen Händen nach Diamanten buddeln, in Gegenden, die von den Privatarmeen der Diamantenfirmen beherrscht werden, wie es in einem Bericht des Menschenrechtlers Rafael Marques beschrieben ist.43 Leviev hat jetzt auch Kontrolle über die politische Repräsentation der jüdischen Gemeinschaften von Russland gewonnen.44 Seine Firma, die "Africa-Israel Corporation", preist sich als „Pionier der Errichtung von versperrten Gemeinschaften" in Israel an, Oberschichts-Enklaven, die den öffentlichen Raum teilen und dazu da sind, „die Bedürfnisse des anspruchsvollen Wohnens in Sicherheit und innerer Ruhe" zu erfüllen.45 Leviev ist direkt an der Errichtung von Siedlungen beteiligt, sowie an der Finanzierung radikaler Siedlervereinigungen in den besetzten Gebieten; er betreibt aber auch Einkaufsmeilen und hat kürzlich einen der beliebtesten Fußballvereine Israels aufgekauft. Zudem hat er den Zuschlag für den Vertrag über den Betrieb des ersten israelischen Privatgefängnißes erhalten.46 In Israel gehen Grenzzäune und Privatisierungskampagnen Hand in Hand. Der soziale Widerstand gegen beides ist sowohl durch die tiefe Prägung der israelischen Gesellschaft durch die koloniale Vergangenheit als auch den aktuellen kolonialen Prozess, der in der West Bank im Gange ist, geschwächt. Daher die Bedeutung des jetzigen Augenblicks, in dem die Pro-Zaun Koalition und die Privatisierungslobby konvergieren. Hier finden wir eine Herausforderung für die Aktivisten in Israel - nicht nur diejenigen bloßzustellen, die ihr Vermögen aus der Produktion von Leid und deßen Ausbeutung erzielen, sondern auch die Allianz zwischen den Staatsmanagern und dem Kapital ins Visier zu nehmen, um den Herren der Arbeitslosigkeit und der Privatisierung ihre Legitimation zu entziehen.

Für die Gegner der Besetzung und Friedensaktivisten in Israel ist es sehr einfach sich vorzustellen, dass sie fanatischen, nationalistischen Siedlern gegenüber stehen, während sie selbst vorbildliche Beispiele an Aufklärung und Fortschritt sind. Doch in der Tat sind sie mit einer ausgeklügelten Koalition von harten und weichen, wilden und zivilisierten Kolonialisten konfrontiert. Sie reicht von der meßianischen nationalistischen Rechten bis zur Verteidigungsindustrie und vernünftigen Kapitalisten, von den radikalen ideologischen Siedlern, den „Lebensqualitäts-Siedlern", die in isolierten und sauberen Städten auf beiden Seiten der Grünen Linie leben. Hier ist der Kampf härter, genau deshalb, weil die soziale Herkunft und Klaßenposition derjenigen beiderseits der Linie sich kaum unterscheiden.

Doch die Herausforderung ist sogar noch komplexer. Der Kolonisationsprozess gründet auf sozialer Misere und den drängenden Bedürfnißen armer Leute, so wie der Grenzzaun auf Ängsten beruht, echten und imaginierten, die durch die tägliche Propaganda noch weiter aufgebaut werden. Er zieht junge Paare aus den Slums von Jerusalem an und registriert neue Immigranten aus der Russischen Föderation, die sich plötzlich inmitten der West Bank wiederfanden, in Ariel, zum Beispiel, dorthin geschickt, um die Grenze zu besiedeln ganz so wie die neuen Immigranten nach Israel während der Fünfziger; und ebenso die ultraorthodoxen Großfamilien, die Zugang bekommen zu angemeßenem subventioniertem Wohnraum, allein dadurch, daß sie am Siedlungsprojekt und der Eroberung der West Bank teilnehmen. All jene können sich dabei ertappen wie sie die Besetzung verteidigen, um doch nur sich selbst zu verteidigen, auf kurze Sicht - die fragile soziale Existenz, die sie sich errichtet haben unter der Anleitung von Regierungsbehörden, der Siedlerbewegung und des Privatkapitals. Doch sie sind nicht der Feind der Gegner israelischer Besetzung, sondern selbst die Opfer des kolonialen Prozeßes, die in das Projekt hineingezogen wurden und darin gefangen sind, Instrumente im Prozess der organisierten Enteignung, der ihre eigene Zukunft bedroht. Daher die reale politische Herausforderung für die Gegner der Besetzung: wie kann man Brücken bauen zwischen den Opfern, Palästinensern und den Israelis, Juden und Arabern, um dem Kolonialismus Einhalt zu gebieten und eine andere Zukunft für alle zu errichten? Das ist die alles entscheidende Frage.

 

* Die erste hebräische Version wurde auf der Webseite HaOkets veröffentlicht (www.haokets.org) und von Daniel Breslau ins Englische übersetzt, dem der Autor herzlich danken möchte. Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine modifizierte und korrigierte Fassung.

 

Fußnoten

1 Mordechai Gutman, "Off Shore in Israel – The New Direction in Developing Software for Organizations at High Quality and Low Cost", Matrix Website http://www.matrix.co.il/Matrix/he-IL/Contents/Articles/OffShore.htm

2 Galit Yemini, "Indian Labor? Matrix is hiring Orthodox Women", Haaretz, 17.1.2005.

3 Eli Shim´oni, "Who can Find an Orthodox Java Wife?", YNet, 23.9.2005.

4 Ruth Sinai, "Will Day-Care Centers Solve the Problem of Working Women?”, Haaretz, 25.9.2005.

5 Nir Shalev, “The Wall in Bil‘in and the Eastward Expansion of Modi‘in Illit,” Indymedia/HaGada HaSmalit, 11.9.2005; http://www.kibush.co.il/show_file.asp?num=8767.

6 Meron Rapaport, "Symbol of Struggles", Haaretz, 10.9.2005.

7 Meron Rapaport, "Bil´in residents: Undercover troops provoked stone throwing", Haaretz , 14.10.2005; David Ratner, “Bil´in Protesters say bean bags are latest riot control weapon”, Haaretz, 7.11.2005.

8 Auf ihren Webseiten unterschlagen die Africa-Israel Corporation und die Firma Denya Cebus ihre Beteiligung an der Errichtung von Siedlungen in den besetzten Gebieten und erwähnen nur, „innerhalb des Staates Israel“ gebaut zu haben. http://www.standardpoor.co-il/standardpoor/doa.iis.dll/Serve/item/English/1.1.1.1.html; http://www.danya-cebus.co.il/Eng/B_E.asp.

9 Akiva Eldar, "Official: Mofaz approves construction in West Bank Settlements", Haaretz, 14.12.2005.

10  Siehe Israel´s State Comptroller´s Report, No. 51a (2000), pp. 201-218.

11  Im Dezember 2005 haben Bil´in Aktvisten zudem ein kleines Haus auf einem palästinensischen Grundstück, das hinter dem Grenzzaun liegt, gebaut und behauptet, dass solange kein einziges der illegalen Bauprojekte in der Siedlung abgerissen werde, sie ein Recht hätten auf ihrem Land zu bauen. Das kleine Haus wurde „Zentrum für den gemeinsamen Kampf für Frieden" genannt, und hat es den Bauern ermöglicht, die Ländereien zu erlangen, die sie bald mit der Fertigstellung des Zauns verlieren werden. Meron Rapaport, „IDF completes evacuation of Bil´in ´outpost`", Haaretz, 23.12.2005.

12  Tamar Rotem, "The Price is right", Haaretz, 23.9.2003

13  Sharon Kedmi, "Denya Cebus is to build in Modi´in Illit”, Globes, 15.8.2004

14  Für neueste Daten siehe unter: http://maariv.bizportal.co.il/bizportalnew/bizcomparticle.shtml?c_id=611&;mid=108302&IdDB=1&srvr=http:\\www.honline.co.il\.

15  Hierbei handelt es sich um ein Regierungsorgan, das offiziell mit dem Management des „herrenlosen Landes" betraut ist. Diese Agentur hat eine Schlüsselrolle in der Aneignung palästinensischen Landes gespielt, insbesondere desjenigen, das Flüchtlingen innerhalb Israels gehört und kürzlich auch in den besetzten Gebieten. Während der Diskussion über den Einspruch von Bil´in Bewohnern an Israels "Hohem Gerichtshof" den Verlauf des Grenzzauns zu ändern, kam heraus, dass dieses Regierungsorgan als Strohpuppe für Siedlerfonds diente, um ihre Identität zu verschleiern. In einem Spezialbericht haben zwei israelische Menschenrechtsorganisationen diese „umlaufenden Transaktionen“ aufgedeckt: die Siedler „transferieren das Land, das sie gekauft haben, an den Verwalter, der es zu staatlichem Boden erklärt. So wird ermöglicht, dass der Planungsprozeß in Gang gesetzt wird. Der Verwalter teilt das Land dem Käufer im Rahmen des Planungsgenehmigungs-Abkommens zu, und gibt es dann zur Entwicklung frei, ohne Entgelt." Siehe Bimkom/B´Tselem, Under the Guise of Security: Routing the Separation Barrier to enable the Expansion of Israeli Settlements in the West Bank, Dezember 2005: http://www.btselem.org/Download/200512_Under_the_Guise_of_Security_Eng.doc

16  Shalom Yerushalmi, "Every Prime-Minister who gave away Eretz Yisrael – was hurt (an Interview with Era Rapaport,“ Ma´ariv, 5.4.2002.

17  Shosh Mula/Ofer Petersburg, "The Settler National Fund", Yedioth Achronoth, 27.1.2005; englische Übersetzung unter: http://www.peacenow.org/hot.asp?cid=247.

18  Akiva Eldar, "Documents reveal West Bank settlement Modi´in Illit built illegally”. Haaretz, 3.1.2006; Eldar, “State mulls criminal probe into illegal settlement construction”, Haaretz, 8.1.2006.

19  Ada Ushpiz, "Fenced out", Haaretz, 16.9.2005.

20  Mula/Petersburg, Yedioth Achronoth, 27.1.2004.

21  Gadi Algazi, "The Upper-Claß Fence", HaOkets Website, 15.6.2005; English translation: http://www.kibush.co.il/show_file.asp?num=5086.

22  Protokolle der Knesset Kommission für Wissenschaft und Technik, 29.6.2004.

23  Die Regierung Israels subventioniert die Löhne für fünf Jahre. Siehe unter: http://www.tamas.gov.il/NR/exeres/1BEE/B98AC24-46E7-83C6-DF7FDEC4CD25.htm.

24  Yoni Shadmi, "Globalization Killed the High-tech Star", Ma´ariv, 11.11.2005.

25  Shadmi, Ma´ariv, 11.11.2005.

26  Yemini, Haaretz, 17.1.2005.

27  Gutman, "Off Shore in Israel".

28  Efrat Neuman, "Begorra, it´s the hora", Haaretz Online, 6.9.2005.

29  Shadmi, Ma´ariv, 11.11.2005.

30  Ruth Sinai, "Modi´in Illit: The Zionist Resposne to Off-Shoring", Haaretz, 19.9.2005.

31  Shadmi, Ma´ariv, 11.11.2005.

32  Shim´oni, Ynet, 23.9.2005.

33  Siehe deren Webseite unter: http://www.ahuzatbrachfeld.com/he/ahuzat-brachfeld.php.

34  Sie wurden kürzlich als „Agenten des sozialen Wandels" beschrieben, da sie neue Berufe ergreifen und traditionelle Hierarchien unterwandern. Siehe Menahem Friedman, „The Ultra-Orthodox Woman", in: A View into the Lives of Women in Jewish Societies, Yael Atzmon ed. (Jerusalem: Zalman Shazar Center for Jewish History, 1995), S. 273-290; Yoßef Shalhav, “Ultra-Orthodox Women between Two Worlds”, Mifne no. 46-47 (Mai 2005), S. 53-55.

35  Tamar Rotem, Haaretz, 23.9.2003.

36  Siehe die Daten unter: http://web.bizportal.co.il/web/biznews02.shtml?mid=103203.

37  Siehe: http://www.formulasystems.com/.

38  Siehe: http://www.johnbryce.co.il/newsletters/mabatJan05.htm.

39  "Oracle Invests in Talpiot Development Center", 14.11.2005: http://www.johnbryce.co.il/shuld_know.asp?query=preß&;id=196.

40  Eine Teilliste auf der Webseite von Matrix führt u. a. PeopleSoft, BMC Software, Red Hat, Compuware, Business Objects Verity, Vignette, IONA, WebMethods, BindVIew auf: http://www.matrix.co.il/Matrix/he-IL/CompanyProfile.htms.

41 Tamar Avraham/Efrat Ben-Ze´ev, "Batir Hußan, Wadi Fukin, Nahalin: Four Palestinian villages soon to be encircled by fences,” Ta´ayush Webseite http://taayush.tripod.com/new/batir-texts/duaj-batir.htm.

42  Boaz Gaon, "Black Diamonds", Maariv 24.10.2005; Yosi Melman and Asaf Carmel, "Diamonds in the Rough", Haaretz 24.3.2005.

43  Rafael Marques, "Lundas – The Stones of Death: Angola´s Deadly Diamonds", 9.3.2005: http://www.niza.nl/docs/200503141357095990.pdf.

44  Über Levievs Patronage der Föderation der Jüdischen Gemeinschaften in Russland, siehe Yosi Melman, "No Love Lost", Haaretz 12.8.2005.

45  "Real Estate in Israel – Residential Properties", Africa-Israel Webseite, 23.1.2006: http://www.africa-israel.com/megurim/eng/index.asp.

46  Aryeh Dayan, "Leviev Promises to treat his Prisons nicely", Haaretz, 28.11.2005.