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Schöne neue Welt

 

Handys, Internet und mit ihnen viele Social-Media-Anbieter haben unsere Kommunikation radikal verändert. Für viele ist es undenkbar, den Tag ohne einen Klick auf Facebook, What´sApp oder Instagram zu beginnen. E-Mails gibt es schon viel länger und auch ohne sie ist die heutige Kommunikation kaum vorstellbar. Die Freundin, die per SMS eine Beziehung beendet, der Freund, mit dem man gerade eben noch verabredet war und der kurzfristig das Treffen cancelt oder der Arbeitgeber, der die "credentials" seines Bewerbers auf Facebook checkt, - all das gehört bereits zu unserem Alltag und es hat die Kommunikation nur bedingt vereinfacht.

Auf den ersten Blick wirkt es praktisch, was mit Handy, Internet und Social Media alles möglich geworden ist. Doch betrachtet man die permanente Reizüberflutung und das Userverhalten etwas genauer, tun sich mitunter Abgründe auf. Es wird leichter zu stalken, zu mobben und zu verunglimpfen, glauben sich doch viele in einem rechtsfreien Raum, sobald sie das Internet "betreten". Die Anbieter machen große Gewinne, unter anderem auch mit Werbung, was es ihnen nicht gerade einsichtig macht, strengere Regeln zu setzen, die vielfach strafbares Verhalten besser regulieren und in seine Schranken weisen könnten.

Derzeit beunruhigt die Möglichkeit der "Fake News" die Gemüter. Aus der Luft gegriffene Behauptungen und absurde Inhalte werden millionenfach unkritisch geteilt. Damit ist das Kind oft bereits in den Brunnen gefallen und man kann sich als Betroffener nur noch um Schadensbegrenzung bemühen wie es unlängst Renate Künast von den Grünen erlebt hat. Der anstehende Bundestagswahlkampf, zuvor einige Landtagswahlen und Wahlen im europäischen Ausland könnten von dieser Art der "Kommunikation" und Verbreitung betroffen sein und es wird immer schwieriger, die Verursacher, die längst in fremden und manchmal fernen Ländern sitzen, in denen sie gutes Geld damit verdienen, dingfest zu machen, solange Anbieter wie Facebook nicht mitziehen. Rechtlich gesehen handelt es sich um Betrug, Behauptung falscher Tatsachen, Verleumdung, Verletzung der Persönlichkeitsrechte, üble Nachrede, Rufschädigung und Mobbing. Wenn man das Kind beim Namen nennt, wird den Nutzern vielleicht bewusster, was da eigentlich betrieben wird. Und das oft im Sinne einer massiven Manipulation der öffentlichen Meinung, die somit auch schnell ins Private durchfiltert.

Medienwissenschaftler beschäftigen sich schon seit Langem mit den Internet-Phänomenen, die es auch Terroristen leichter gemacht haben, ihre Taten zu begehen. Die Kommunikation ist schneller, oft abrupt und grenzenlos. Dazu kommt, dass sie für wenig Geld zu haben ist und auch nicht zur Bedingung hat, einen eigenen Computer besitzen zu müssen, da es genügend Internetcafés gibt, die sich an der Kontrolle der User ebensowenig zu beteiligen bereit scheinen wie die Anbieter der Social Media und anderer Internetplattformen.

Die vielen positiven Seiten des Internet und der Social-Media-Plattformen sollten aber nicht unerwähnt bleiben: Informationsbeschaffung, Spendenaufrufe, Suchaktionen und Kommunikation sind zu begrüßen und sie tragen viel zum Funktionieren unseres modernen Lebens bei. Wer sein eigenes Internetverhalten allerdings nicht kritisch prüft, wird leicht in den Sog dieser Manipulationen gezogen. Daher gehört Internet- und Medienerziehung auch auf den Schulplan und ins Coaching der Firmen, die mit am meisten vom Internet profitieren, da es einen günstigen Kommunikationsweg bedeutet. Es reicht bei Weitem nicht aus, Facebook allein für alle Unbill verantwortlich zu machen, so lange seine User alles mitmachen, was von Mark Zuckerbergs Team vorgegeben wird.