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Psycho

 

Warum heißt es hierzulande eigentlich "Psychologischer Psychotherapeut"? Vielleicht gibt es ja auch ökonomische Psychotherapeuten oder mathematische und physikalische Psychotherapeuten? Vermutlich dachten sich die Verantwortlichen "doppeltgemoppelt hält besser". Könnte ja sein, dass der Patient nicht versteht, wen er da vor sich hat. Klar ist schon mal, dass es Therapeuten gibt, die wie Psychos herumlaufen und von Psychologie so viel verstehen wie ein Metzger vom Bäckerhandwerk. Klar ist auch, dass es hingegen eindeutig französische Psychotherapeuten, ungeduldige Psychotherapeuten und pedantische Psychotherapeuten gibt. Da macht ein Adjektiv vor dem Substantiv dann auch wieder Sinn.

Wer sich mal mit oder ohne fremde Hilfe auf die Reise in die Psyche begeben hat, weiß wovon ich spreche. Man erlebt allerlei Kurioses und Grenzwertiges. Oft fragt mich sich dann, wer wen therapiert und es kommt zu Projektionen, wodurch sich dann ein  "psychologischer Raum" eröffnet.

Seit dem 1. April müssen Therapeuten laut Gesetz Sprechstunden anbieten. Damit soll der Tatsache entgegengewirkt werden, dass wer einen Therapieplatz sucht, meist nur auf dem Anrufbeantworter des Psychologen landet und nur nach langer Zeit zurückgerufen wird, nämlich dann, wenn ein Therapieplatz zur Verfügung steht und man auf der Warteliste aufgerückt ist.

Wer Glück hat, bei dem stimmt die Chemie zwischen Therapeut und Patient, denn das ist das A und O, das in fünf probatorischen Sitzungen ausgelotet werden soll. Eigentlich weiß man das oft schon auf den ersten Blick oder bei der ersten persönlichen Begegnung. Wer über gute Menschenkenntnis verfügt, der weiß in Bruchteilen von Sekunden, ob der Therapeut, den er da vor sich hat, zu einem passt.

Eine Reise in die Psyche lohnt sich aber eigentlich immer. Wer glaubte, sich zu kennen, wird eines Besseren belehrt, und so mancher Knoten im Denken und Fühlen löst sich wie durch Zauberhand. Wenn man Pech hat, wird aber alles nur noch schlimmer und man verliert sich im psychologischen Raum der Projektionen und Gegenprojektionen. Damit das nicht passiert, bedarf es eines eigenen inneren Kompasses, der einem sagt, was stimmt und was nicht stimmt. Dass man diesen nicht verliert, ist essentiell wichtig für das eigene Wohlergehen.

Aber warum man einen Psychotherapeuten noch zusätzlich mit dem Adjektiv "psychologisch" schmücken muss, begreife ich immer noch nicht...! Es versteht sich doch eigentlich von selbst, dass "psycho" bereits als Abkürzung für "psychologisch" und damit für die Psyche als solche steht. Aber in Deutschland denkt die Mehrheit wohl immer noch "doppelt gemoppelt hält besser".