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Angela Merkel - wo will sie hin?

 

Keiner weiß es so genau und so verliert man sich in Vermutungen, widersprüchlichen Beschreibungen und Annahmen: Angela Merkel wurde einst als Klimakanzlerin tituliert und ließ sich mediengerecht in Grönland abbilden. Die menschengemachte Erderwärmung wolle sie aufhalten, hatte sie bereits 2007 gesagt. Das ist nun zehn Jahre her. Fortschritte? Kaum. Ja, Deutschland wird es nicht einmal hinbekommen, die Ziele der Pariser Klimakonferenz einzuhalten, die vorsehen, die Zwei-Grad-Marke der Erderwärmung nicht zu überschreiten.

Das Schiff, in dem sie in Grönland gemeinsam mit Sigmar Gabriel schipperte, hieß Smilla. Dabei handelt es sich um eine Romanfigur von Peter Hoeg, der seine Heldin mit einem Gerechtigkeitsempfinden ausstattet, von der sich manch einer eine Scheibe abschneiden kann. Die in Dänemark an den Rand gedrängte Gruppe der Grönländer wird nicht nur in diesem Roman, sondern auch ganz real, auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt diskriminiert. Smilla recherchiert und findet heraus, dass der Tod eines kleinen grönländischen Jungen kein Selbstmord oder Unfall, sondern Mord war.

Wenn Angela Merkel den Roman gelesen hätte, könnte sie vielleicht nachempfinden, wie es denen geht, die weniger Chancen im Leben bekommen. Und oft sind es die, die stärker im Einklang mit der Natur leben. Selbiges gilt zum Beispiel auch für Indianer in Kanada oder Maori in Neuseeland.

Was das Klima betrifft, hat die Kanzlerin bislang wenig auf den Weg gebracht, was zum Durchbruch verhelfen könnte. Rhetorisch geschickt gibt sie oft Statements ab, unter denen sich eine Mehrheit von Leuten versammeln und sich in Sicherheit wiegen kann. Doch wo sie genau steht, bleibt oft ein Rätsel. Sie ist eine gute Verhandlungsführerin, sie kann mit den Mächtigen der Welt so umgehen, dass man sich hinterher fragt, wie sie das eigentlich bewerkstelligt, und sie fällt nie aus der Rolle (bis auf gegenüber einem kleinen Flüchtlingsmädchen, das angesichts seiner bevorstehenden Abschiebung in Tränen ausbrach).

Was diese Frau will, weiß vielleicht nicht einmal ihr Ehemann Joachim Sauer so genau. Eines aber kann man sagen: zumindest will sie an der Macht bleiben und so wie es derzeit aussieht, könnte es ihr ein wiederholtes Mal gelingen, die Bundestagswahlen zu gewinnen. Und dabei hat sie viele Mächtige auf ihrer Seite, die es gerne sähen, wenn sie ihre Politik des Sowohl-Alsauch fortsetzen würde. Ob das Klima dabei gewinnt, bleibt fraglich, denn vorrangig vertritt Merkel die Wirtschaftsinteressen Deutschlands. Und solange nicht ausgemacht ist, dass durch die ökologische Wende mehr Arbeitsplätze entstehen als wir sie derzeit haben, wird sie das Klima nur zu Wahlkampfzwecken nutzen.