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Ich bewundere Maybrit Illner. Nein, ganz ehrlich: wie sie stets die Ruhe und Höflichkeit bewahrt selbst gegenüber den unmöglichsten und irresten Gästen. Obwohl man sich manchesmal schon fragt, warum sie ausgerechnet den ein oder anderen Zeitgenossen oder die eine oder andere Schrulle einladen muss, um ihm oder ihr eine Plattform zu bieten, die er oder sie gar nicht verdient hätten. Aber ich nehme an, Maybrit Illner, die aus der ehemaligen DDR stammt, vertritt vehement das, was es in ihrer ehemaligen Heimat so wenig gab: das Recht auf Meinungsvielfalt und kontroverse Diskussion ohne Angst vor Zensuren oder Schikanen. Die gibt es heute dafür umso mehr dank Internet in Form von "sozialen" Plattformen und Medien, in denen nochmal so richtig auf die Gäste eingedroschen werden darf, in denen sie beschimpft und beleidigt werden und die von Facebook dominiert gerne auch der Zensur unterworfen werden durch Sperrungen, Likes und ähnliches mehr.

Im Gegensatz zu Illner wirkte der geladene Jakob Augstein genervt, gelangweilt und ziemlich müde des ewigen Diskutierens mit uneinsichtigen, ungebildeten und eben dummen oder einfach nur geltungssüchtigen Menschen. Dass er dann auch noch Kathrin Oertel ausgerechnet rechts neben sich sitzen hatte, war vermutlich mal wieder ein Schachzug der Sendungsmacher, die im Fernsehen doch immer so strategisch und berechnend denken und agieren. Der arme Augstein konnte dann nur noch wie immer verbal gekonnt darauf hinweisen, dass die "Kollegin rechts neben mir, aber wirklich rechts neben mir" eben wirres Zeug redet und in nazistisch-esoterisch anmutenden Beschwörungen über Joseph Goebbels´ Wirken in die heutige Zeit hinein, womit sie unter Propagandaaspekten leider durchaus recht hatte, darauf bedacht war alles umzukehren. Eine ratlose Maybrit Illner und ein umso ratloserer Augstein mussten feststellen, dass also Bernd Lucke nicht rechts sei, wie er nicht müde wurde zu betonen, obwohl doch sein "Weckruf" zumindest dem Namen nach eine eins-A Kopie eines Blattes der Nazis aus den 30er Jahren ist. Da hätte Professor Lucke neben Wirtschaftswissenschaften wohl mal lieber etwas mehr Geschichte studiert. Richtiges (im Sinne von korrektem) Wissen und echte Bildung hat schließlich noch niemandem geschadet. Schon gar nicht kleinen Männern, die ihre fehlende Größe zu kompensieren suchen.

Peter Tauber war einfach herzallerliebst, nicht nur rhetorisch gewandt und sehr gut darin, seine christliche CDU von der unsäglichen AfD, die sich nun endlich selbst zerlegt, abzugrenzen, sondern dem Charme seiner Kanzlerin erlegen. Ich fand gut, wie und was er alles gesagt hat, ähnlich wie Yasmin Fahimi, die unter den Beschimpfungen und Beleidigungen der AfD- und Pegida-Anhänger schließlich genug zu leiden gehabt hat. Auf die berechtigte Frage von Lucke, was die SPD eigentlich für die soziale Gerechtigkeit getan hat in all den Jahren ihrer Regierungsbeteiligung, wusste sie allerdings nichts anderes zu antworten als die Floskel vom Mindestlohn. Das Tarifeinheitsgesetz hingegen, das nun im Bundestag beschlossen wurde, benachteiligt kleine Gewerkschaften und schränkt die Wahlfreiheit ein, ja es drückt sogar die Tariflöhne, so dass auch hier keine Gerechtigkeit, sondern nur eine Mehrheit geschaffen wurde. Aber Fahimi macht ihren Job als Generalsekretärin trotzdem vorbildlich: ideologisch geschult und verbal versiert, wie es sich gehört. Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!

Und Maybrit Illner bleibt bei all dem so gelassen und charmant, dass man ihre Professionalität wirklich nur stets aufs Neue betonen muss. Der brillianten Analyse des eingeladenen Politikwissenschaftlers Albrecht von Lucke, der zu allem Übel abgesehen vom Adelszusatz fast denselben Namen trägt wie der andere Professor in der Runde, lässt sich nur hinzufügen: in der Tat ist der Euro nicht sakrosant. Denn er hat viele der Probleme, mit denen wir uns heute herumschlagen, erst geschaffen: angefangen von der wachsenden sozialen Ungleichheit im eigenen Land bis hin zu den Flüchtlingsbewegungen nach Europa. Aber deswegen muss man noch längst keinen Altherrenverein wie es die AfD ist wählen oder ihm beitreten, in der ausrangierte Manager und üble Rassisten eine politische Heimat gefunden zu haben glaubten. Und Frauen wie die aus der Studienstiftung des deutschen Volkes ("Lebensborn"? wie ein Freund von mir mal zu bedenken gab) stammende Frauke Petry konnten dort das Völkisch-Deutsche in Form des "Gebäret dem Führer Kinder" ja vorbildlich einbringen. Zugegeben: darin ist sie nun von einer Lehrerin, die ihr 17. Kind zur Welt gebracht hat, eindeutig überboten worden (von Ursula von der Leyen mit ihren sieben Kindern natürlich mal ganz abgesehen). Hans-Olaf Henkel hat dort seinen Hass auf den Teuro ausgelebt, Lucke konnte seinen Machtphantasien, von denen er als Professor ja nicht genug haben kann, nachgehen und Gauland seinem Namen alle Ehre machen. Frauen, die in so einem Verein mitmachen bzw. eine Nähe herstellen in Form von Pegidas wie es Kathrin Oertel getan hat, gehören zur besten Fernsehzeit eigentlich nicht auf den Bildschirm.

Es schauen schließlich Kinder zu.