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Kanada Impressionen

 

Mein kanadisches Abenteuer begann mit einer Reise nach Florenz. Entgeisterte Kommentare und Blicke begleiteten mich dort, als ich davon erzählte, dass ich ausgerechnet in Italien über Indianer, Franzosen und Engländer forschen wollte. Mein Magistervater Wilhelm Bleek hatte mir in Bochum vorgeschlagen, dass ich meine Magisterarbeit über die kanadischen Metis schreiben könne. Sein Seminar über Multikulturalismus war sehr gut besucht gewesen und ich musste gerade damit fertig werden, dass ein anderer Professor, der seinerzeit den Lehrstuhl für die Theorie der Geschichte inne hatte, eine Studentin angestellt hatte, die offensichtlich besser in sein Ressort und zu seiner Mentalität passte. Meine Idee, über Subjektivität und Objektivität in der Geschichte zu arbeiten, legte ich daher vorerst auf Eis. Das Thema allerdings hatte mich seit meinem ersten Geschichtsseminar beschäftigt, als ich gemeinsam mit meinem Kommilitonen Olaf ein Referat über die christlichen Kreuzzüge hielt. Olaf imitierte gestikulierend die Haltung der Kreuzzügler und ich versank in meinem Stuhl neben ihm, da ich fand, dass man Wissenschaft so nicht darstellen könne. Immerhin saßen wir ja nicht in einem Improtheater. Doch seitdem denke ich, dass wenn Geschichte nicht erlebnisnah dargestellt wird, sie genauso verdreht wird wie durch gefälschte Urkunden, rein subjektive Berichte von Zeitgenossen oder den Falschaussagen der Nationalsozialisten.

Als ich in Florenz ankam, begann sogleich die leidige Frage, wer so ein kompliziertes Thema wie das der kanadischen Metis und des Multikulturalismus überhaupt betreuen konnte und mochte. Die einzige deutsche Geschichtsprofessorin und die einzige französische des Instituts rangen um die Oberhand. Da erstere kaum Französisch beherrschte, fiel ich unter die Betreuungsobhut der Französin, die vom ersten Augenblick an keinerlei Widerreden zuließ, egal ob sie von mir kamen oder von Kommilitonen, die nicht mit ihrer autoritären Art zurecht kamen. Ihr Steckenpferd war die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, aber in der Frage der Versorgung der Armen stimmte ich nicht mit ihr überein ("On ne peut pas avoir une économie pour les pauvres!"). Durch diesen Satz fegte sie nicht nur alle Sozialstaatsbemühungen mit einem Handschlag weg, sondern schrieb fest, dass der Luxus der Reichen bitteschön nicht zu teilen sei. Der Lehrstuhl für Kolonialgeschichte, unter dessen Schirm mein Thema eigentlich angesiedelt gewesen wäre, übrigens war kaum, dass die ersten Einführungsveranstaltungen abgeleistet worden waren, kurzerhand gestrichen worden. Da das Institut eine Gründung europäischer Mitgliedsstaaten ist, wurden die Kriterien der EU angelegt, sowohl in allen Fragen der Finanzierung als auch der Themenwahl. Das hieß natürlich auch, dass alle, die zu EU-konformen und -genehmen Themen schrieben, zumindest theoretisch besser gefördert wurden. Immerhin geht es bei der EU um den Handels- und Friedensgedanken, und diesen zu erhalten, ist eine der Missionen des Europäischen Hochschulinstituts. Mein Thema wurde quasi durch die Verlegung an einen anderen Lehrstuhl zum Orchideenfach. Darüber war ich nicht nur deshalb verärgert, weil das Thema Migration, Kultur und Wirtschaft viele der Lebensbereiche auch unserer heutigen Zeit umfasst, sondern auch weil es sicherlich kaum einen Bereich der politischen Kultur gibt, in den die Fragestellung über die Begegnung zweier Kontinente nicht hineinfiele (angefangen von den ersten Handelsverträgen bis hin zu Regelungen über Eheschließungen oder Kinderbetreuung). So machte sich Laurence in dem ihr eigenen Sarkasmus natürlich auch gleich darüber lustig, dass ich gerade wohl dabei sei die Geschichte der Menschheit aufzuschreiben. Auch wenn ich das selbst nicht so sah (schließlich glaube ich nachwievor nicht, dass ich Größenwahn habe), machte ich mich ans Schreiben.

Als ich zu meiner ersten Mission (so nannten wir unsere Archivreisen) nach Montreal aufbrechen wollte, kam ich mir ziemlich exotisch vor mit meinem neuen Reiseziel. Maud kam auf mich zu und sagte in versammelter Runde "Elle veut nous quitter!" ("Sie will uns verlassen!"), so als hätte ich vor dorthin auszuwandern. Es klingt wirklich sehr naiv, aber ich wollte tatsächlich meine Forschungen dort fortsetzen. Ich hatte Laurence zuvor erzählt, dass ich dort bereits Kontakte hatte. Ein englischer Metis, Martin Dunn, hatte viele Monate mit mir korrespondiert, genau genommen seit ich an meiner Magisterarbeit schrieb. Er lebte in Ottawa, also flog ich zunächst dorthin, klapperte die "National Archives" ab, lernte viele Studenten und andere Forscher oberflächlich kennen und fuhr dann nach Montreal. "If you speak French, they will like you there!", sagte Martin. Er hatte seine grauen Haare stets zum Zopf gebunden, lebte in einer der Reihenhaussiedlungen und aß ziemlich viel Fleisch. Von seiner zweiten Frau, eine Indianerin namens Eutonnah, hatte er einen Sohn, der manchmal zu Besuch kam und über Kias Ehrgeiz sagte Martin einmal "He says: I don´t do Bs" (A ist die höchste Note in Nordamerika). Nachts schlief ich auf dem Wohnzimmersofa, während sich Martin vor seine riesige Computeranlage setzte, wo er offensichtlich bei "Porn City" angemeldet war ("Porn" als Abkürzung für Porno). Als ich einmal seinen Hund Nosy ("neugierig") mitten in einem epileptischen Anfall erlebte, schrieb ich Freunden in Florenz davon. Annett riet mir sofort auszuziehen und doch um Gottes Willen nicht länger in der Nähe dieses Mannes zu bleiben. Ute schrieb, dass ich mir Johanniskrauttee machen solle, denn das helfe. Mir gegenüber war Martin immer recht freundlich, machte keine plumpen oder direkten Annäherungsversuche und war froh und glücklich, dass jemand aus Europa über die Metis arbeitete. Er erwähnte alle möglichen esoterischen Lehren, angefangen vom Tibetischen Totenbuch bis allerlei anderes, zu dem ich partout keinen Zugang fand, weil es mir auch heute noch zum Teil abwegig erscheint. Laurence schrieb mir, ich solle Martin Martin sein lassen und sie wolle mir bei einem Gespräch ausgiebiger erklären was Sache sei. Klartext: ich solle so schnell wie möglich wieder nach Florenz zurückkommen.

In Montreal lernte ich auf dem Festival "Juste pour rire" den Gitarristen Stéphane kennen, der mich mit Tony bekannt machte. Dieser arbeitete als Sozialarbeiter, war aber eigentlich leidenschaftlicher Jazzmusiker. Er kompilierte eigene CDs, wir sangen bis tief in die Nacht Songs und nahmen sie am Computer auf bis die Festplatte übervoll war. Drogen oder Alkohol waren dabei nie im Spiel, wobei ich mir da bei Tony nicht so sicher war. Er rauchte zwar ziemlich viel "Captain Black" und bot sie mir auch an, aber ansonsten war er wohl "clean", wie man das im Englischen sagen würde. Er redete oft arrogant über andere und fand sich stets über alles erhaben. Letzteres mochte ich wahrscheinlich an ihm. Er wirkte immer wie die Ruhe selbst, hatte einen feinen Humor und brachte mich zum Lachen. In Kanada hat fast jedes einfache Hochhaus einen Swimmingpool und eine Sauna im Keller. So begann ich den Tag nach einer Runde dort auch stets frisch und erholt. Wir waren oft aber die Einzigen, die diese Einrichtung nutzten. Wir fuhren Skidoo, eine Art Schneemotorrad, im Winter, machten Langlauf bis mir die Füße einfroren und Tony sie mir wieder warm rubbelte, und gingen sogar tanzen. Ich konnte mein Disco-Trauma dadurch überwinden. Eines Mal gingen wir in ein Casino und da Tony Glück im Spiel hatte, teilte er seinen mageren Gewinn mit mir. Marie-France, eine Freundin von Steph, wurde mir zur Freundin. Sie war so crazy wie nur irgendwer und eröffnete später ihre eigene Galerie mit sehr abgefahrenen Künstlern. Steph erzählte mir oft davon, was für ein schwieriges Verhältnis er zu seiner Mutter gehabt hatte, da sie tablettenabhänig war. Heute reist er um die Welt, trat zeitweise als Metromusiker auf (also als Musiker in der Metro) und hat seinen Job als Sozialarbeiter an den Nagel gehängt.

Tony stellte mich seiner Familie vor, die sehr nett war und mich sofort ins Herz schloss. Wir feierten gemeinsam Weihnachten (eines Mal schenkte mir seine Schwester Linda  dabei ein T-Shirt des damals sehr bekannten kanadischen Rennfahrers Jacques Villeneuve). Sie wusste zwar nicht, dass ich selbst schon mal in einem Rennwagen gesessen und mit 340 Sachen über den Nürburgring gebrettert war, als ich Praktikanten bei der Zeitung in Bochum gewesen war, aber Kanadier haben ein Gespür für alles. Ich führe das auf ihre indigene Vergangenheit zurück, in der die Indianer selbst durch das Zittern des Grases das Herannahen der Feinde hören bzw. am Gras erkennen konnten. Auf den Indianerreservaten, in denen ich war, begegnete ich Daniel und seinem Freund. Sie luden mich auf ein Bier ein, denn ich war den ganzen Weg aus der Stadt zu Fuß gelaufen. Als Erinnerungsstück habe ich noch eine Karte mit einem Adler darauf, die ich zwischen meinen Briefen aufbewahre.

Nach drei Aufenthalten in Kanada (sowohl im Sommer als auch im Winter) hatte ich so viel über das Land und seine Leute gelernt wie über kaum ein anderes. Im Vergleich wusste ich über die Türkei und seine Verwaltung oder Politik fast nichts zu diesem Zeitpunkt. Oder so kam es mir jedenfalls vor. Tony, Steph und ich machten Ausflüge an den "Lac des deux montagnes", picknickten dort oder gingen schwimmen. Es war eine sehr idyllische Zeit und ich bin dankbar sie erlebt haben zu dürfen. Wir unterhielten uns über das Gesundheitssystem und einiges, das ich aus Deutschland erzählte, wirkte auf sie so fremd, dass sie lachen mussten. Zum Beispiel über das Solidarsystem und die Vielzahl der konkurrierenden Krankenkassen. Oder darüber, dass die Schweigepflicht ein sehr zweischneidiges Schwert ist. Ich ging in Kanada nur einmal zum Arzt und der stellte fest, dass alles in Ordnung sei. Eine Optikerin verschrieb mir eine getönte Sonnenbrille mit Dioptrin und sie war so zuvorkommend und freundlich, dass ich innerlich oft an die Unfreundlichkeiten, die ich manchesmal erlebt hatte, denken musste.

Ich durfte Tonys Computer benutzen, blieb in regem Email und ICQ-Kontakt zu meinen Freunden und als die Rückkehr nahte, musste Tony, der sonst nicht sehr rührselig, aber durchaus sehr mitfühlend war, sogar weinen. Er verabschiedete mich am Flughafen, von wo ich erstmal zu meinen Eltern ging. Von dort brach ich auf eine Konferenz nach Paris auf, weil Jean-Francois mir eine Ankündigung geschickt hatte. Er war der Einzige in Florenz, der auch zu einem kanadischen Thema arbeitete. Ich hatte den kleinen Cinquecento meiner Schwester genommen und war einfach losgefahren. Benzin? Geld? Zahnbürste? Was ist das? Ich muss geglaubt haben, tatsächlich im Film zu sein. Denn einmal in Paris angekommen, wurde alles zum puren Abenteuer. Der Wagen wurde abgeschleppt, weil ich die Parkbestimmungen in Frankreich nicht kannte, ich wurde von der Polizei aufgegabelt, weil ich Straßentheater machte und einfach immer wieder mit wildfremden Männern mitging, die mich verköstigten, mich einluden oder vielleicht auch in einen Prostitutionsring hineinzwingen wollten. Nichts dergleichen geschah zwar in meiner Wahrnehmung, weil ich vermutlich zigtausend Schutzengel gehabt haben muss, doch in der Realität, die ich erfolgreich verdrängte, weil ich damit beschäftigt war innerlich von meinen beiden Betreuerinnen loszukommen, die immer wieder mit neuen Ideen und Kritik um die Ecke kamen (stets per Email und also immer in sicherer Distanz), war das Ganze schon sehr gefährlich. Wer wußte mal wieder, ob mir was ins Glas geschüttet wurde oder ob irgendwer daran interessiert war, dass ich auf der Strecke blieb. Aus Florenz kam zu dieser Zeit gar keine Notiz. Ich war längst abgeschrieben, weil ich das Institut ja verlassen hatte. Und das nahmen mir einige scheinbar sehr übel.

Bei meiner Disputation war kein Protokollant zugegen gewesen, weil Laurence alles so chaotisch handhabte, dass einem Hören und Sagen verging. Sie hatte mich sogar gebeten, meine Doktorarbeit doch per Email einzureichen, denn sie wolle, dass ich das Porto sparte. Mir gegenüber stellte sie es so dar, als sei das eine Kulanz des Instituts. Bekanntlich kann auch in der Post etwas verloren gehen, doch offentsichtlich muss meine Endversion gar nicht angekommen sein. Denn in der Prüfungssituation merkte ich, dass die Herren und Damen Jurymitglieder Dinge beanstandeten, die allesamt in der Endversion enthalten gewesen waren. Vielleicht waren Hacker am Werk gewesen. Oder jemand hatte eventuell nach Erhalt der E-mail den Inhalt nicht vollständig ausgedruckt (vielleicht ja eine der Sekretärinnen). Aber Fakt war jedenfalls, und das konnte ich auch nachweisen, dass die Arbeit nicht komplett gelesen worden war. Nach der Disputation (also keiner Fächerprüfung, sondern einem Vortrag mit anschliessender Diskussion) stießen alle Anwesenden mit einem Glas Sekt an. Nur Laurence tanzte mal wieder aus der Reihe und holte sich lediglich eine Tasse Kaffee. Was für ein Affront!

Dank des Peter Lang Verlags, der Hilfe meiner Eltern und vieler wohlwollender Freunde konnte ich meine Doktorarbeit veröffentlichen, nachdem ich noch etliche Verbesserungen und Änderungen eingearbeitet hatte. Das Buch hat sich bis heute etwa siebzig Mal verkauft und hätten mich die kanadischen Professoren nicht unterstützt (vorne weg Denys Delage aus Laval), wäre auch das nicht möglich geworden. Denn Laurence und Tamar (die zweite Betreuerin) wollten partout nicht, dass mein Buch erschien. Das Niveau sei nicht wissenschaftlich genug, lautete ihre Einschätzung. Dabei ist eine Publikation eine der Grundvoraussetzungen, damit eine Promotion überhaupt rechtsgültig ist. Merkwürdig fand ich vor diesem Hintergrund vor allem, dass Tamar Juristin war und das entweder entsprechend wusste oder so tat als hätte sie davon keine Ahnung.

Ich schlug der damaligen Institutsleitung vor, dass ich meinen Doktortitel wieder zurückgeben könne. Denn offensichtlich hatte man sich an kaum eine der Regeln gehalten, die die Statuten vorsahen. Meine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Laurence wurde mit dem Vermerk abgetan, ich hätte schließlich meinen Titel bekommen. Dass ich keinen Job fand, von allen Seiten angefeindet worden war, weil sie ihre Ränkespiele auf dem Rücken aller Beteiligten ausgetragen hatte, interessierte in Florenz kaum jemanden. Und die, die es interessierte, hatten woh anscheinend Angst vor ihr. Daher rate ich auch heute noch jungen Leuten davon ab, mit falschen Vorstellungen an Eliteinstitute zu gehen. Man wird fast zum Freiwild, wenn man nicht nach der Nase der Tonangebenden tanzt und jegliche Unterstützung scheint oft nur wie eine Sicherung der eigenen Privilegien oder Karriereschritte, niemand ist so wirklich echt und nur selten richtig menschlich. In vielerlei Hinsicht hatte ich Glück gehabt, dass Laurence mich wegen meiner Französischkenntnisse auf die ihr eigene Art mochte. All das, was Kanada mich gelehrt hat, habe ich aufzuschreiben versucht und die EU-Politik, die ich immer gemieden habe, kommt mir manchmal wie ein kalter Schweif den Rücken hochgekrabbelt. Dass wir letztendlich den Versuch die EU zu zerstören, mitansehen müssen und wenn wir nicht aufpassen, diese ganz auseinanderfallen könnte, hat viel mit Bürokratie und Interessenpolitik zu tun. Meine Arbeit war in Florenz nicht besonders angesehen gewesen, weil sie viele der Probleme angesprochen hat, die uns heute vor die Füße fallen, weil sie nie ordentlich aufgearbeitet oder gelöst worden sind.

Wilhelm Bleek, der das Ganze aus seinem Rückzugsort in Richmond vermutlich interessiert beobachtete, muss sich kaum gewundert haben, dass die Karriere, die er aufzubauen geholfen hatte, dank auch seiner Hilfe nach und nach zerbröselte. Er wolle mit offenen Karten spielen und er wisse schon was er tue, sagte er. Als ich mich auf eine Forschungsstelle in Marburg bewerben wollte, bei der es um "mixed marriages" (Mischehen) ging, behauptete er keinen Zusammenhang zu meiner Arbeit zu sehen. Sprach ich in seinen Ohren chinesisch? Ohnehin schien mir, dass man an dem Charakter eines Mannes Zweifel haben durfte, der einem bei einer Einladung zum Essen noch lang und breit erzählt hatte, wie toll es sei, sein Hobby zum Beruf zu machen und Professor zu werden, um mich quasi dazu zu bewegen, denselben Weg einzuschlagen, dann aber bei dem Vorschlag, die Magisterarbeit als Buch herauszubringen, nur müde meinte, er sähe darin keinerlei Mehrwert. Vielleicht war sein Beruf eben doch mehr Hobby als Berufung gewesen...? Ohnehin meinen Anthroposophen ja, dass der Ätherleib nur eines von sieben Teilen des menschlichen Wesens sei. Dann kann er ja auch weniger tun und so das Geistige quasi aufs Ruhebett legen, damit die anderen Bestandteile auch alle noch zum Zuge kommen. Wenn zudem die eigene Ehefrau einem vorgibt, was Sache ist, kann es mit dem eigenständigen Denken ohnehin nicht weit her sein.

Kanada ist nach vielen internen Kriegen eines der friedfertigsten Länder der Erde geworden, weshalb ich es auch so sehr mag, auch wenn es  nachwievor zerrissen wirkt und Probleme hat, die von der manchmal schwierigen Multikulturalität bis hin zur Außenpolitik mit den USA und anderen Partnern reichen. Und was wir heute vielerorts sehen, sind Zerfallserscheinungen, denen man entgegen wirken sollte. Martin Dunn, der sich so sehr für die Aufarbeitung der Geschichte der Metis und Indianer engagiert hatte, starb an Krebs, weil die Anlaufstellen in Kanada so überlaufen waren, dass er nicht behandelt werden konnte. In seinem Sinne hat er aber sicher vieles erreicht, das sonst in den Katakomben der Archive verschüttet geblieben wäre.

Ich wünschte mir die EU würde mit gutem Beispiel vorangehen und das, was an Problemen liegengeblieben ist, so angehen, dass die Menschen nicht in Bürokratie ersticken. Und das liegt auch daran, dass die EU vieles nicht transparenter macht und deshalb viele Menschen gar nicht verstehen, was sie an ihr haben. Das Leben ist wie ein Diamant, wenn man es nicht schleift, wird es aushöhlt. Meine Hoffnung stirbt nie, auch nicht zuletzt.