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Hardly right - wortwörtlich und schwerlich wahr

 

Bei meinem letzten Berlinbesuch habe ich ein Plüschtier erstanden, und zwar ein Glücksschweinchen, auch wenn ein Bär angesichts des Stadtwappens passender gewesen wäre. Auf dem Etikett stand nicht nur, wo es produziert wurde, sondern auch, dass es schwer entflammbar sei. Jemand hatte sich an einer französischen sowie einer englischen Übersetzung dieses Umstands für selbiges Etikett versucht. Während an der französischen Version nichts zu beanstanden war, mußte ich bei der englischen etwas schmunzeln und an einen Song von Spandau Ballet denken, den ich besonders mag. Er heißt "Highly strung". Ich aber verstand stets "Hardly strung". Nun verfügt die englische Sprache über mindestens so viele Feinheiten wie die deutsche und mit ihr womöglich unzählige andere Sprachen auch, die ich gar nicht beherrsche. Zum Beispiel drücken die Engländer den Tod eines Menschen, wenn es sich dabei um einen Unfall gehandelt hat, meist mit dem Wort "casualty" - statt mit dem geläufigeren und allgemeineren "death" - aus, und zwar als Ableitung von "casual", was "locker", "salopp", "lässig", "informell" und ähnliches bedeuten kann und so auch in der Mode verwendet wird. Vielleicht denken die Engländer dabei aber auch an "case", was allerdings nicht nur "Fall", sondern auch Koffer bedeuten kann, denn das Todesopfer landet meistens schließlich und letztendlich in einer Art Koffer, nämlich einem Sarg, wenn es nicht gerade verbrannt und dessen Überreste in einer Urne verstaut werden sollen. "Death" bleibt denen vorbehalten, die eines natürlicheren Todes sterben, und damit beweisen die Engländer mal wieder viel sprachliches Feingefühl.

Aber zurück zu "hardly". Spandau Ballet wollte also ausdrücken, dass die Frau, die da besungen wurde, höchst angespannt ist. Vielleicht waren die Jungs ja alle schwul und haben sich deswegen über die Überspanntheit einer Frau angesichts von männlichen Flirts amüsiert. Oder sie meinten einfach nur, das sei eben ganz normal und dass die Liebe auch dazu verleitet, einen in einen nervösen Zustand zu versetzen. Schließlich werden dabei nicht nur Endorphine ausgeschüttet, sondern manchmal auch ganz schön viel Nor- und Adrenalin. To cut a long story short: Den Sängern ging es um "highly" und nicht um "hardly", was so ungefähr das Gegenteil bedeutet hätte. Und damit bin ich wieder bei meinem Plüschtier: Der Übersetzer hatte nämlich geschrieben: "This material is hardly inflammable". Damit hatte er zum Ausdruck gebracht, dass das Material nicht schwer entflammbar, sondern ganz im Gegenteil schwerlich entflammbar ist. Wenn man im Englischen nämlich das Wörtchen "hardly" irgendwo hinzufügt, bedeutet es "wohl kaum", in diesem Kontext eben nicht "schwer", sondern "schwerlich". Richtig hätte es dann wohl heißen müssen: "This material is difficult to inflame." Aber noch besser wäre die Aktivform gewesen, denn die Engländer mögen die Passivform nicht so besonders (ob das daran liegt, dass sie so aktiv sind?). Also: "It is difficult to inflame this material."

Feuer und Flamme hin oder her. Ich bin selbiges nun für mein neues Plüschtier. Und eines der wenn nicht das schönste Lied von Spandau Ballet und vermutlich der gesamten englisch geprägten Popgeschichte ist und bleibt für mich "Through the barricades", was bei mir stets eine solche Gänsehaut hervorruft als hätte ich schon mal zwischen den Barrikaden zu Englands schwersten Zeiten gelebt. Aber das tut man ohnehin tagtäglich mit mehreren prägenden Kulturen. Oder ich war im vorigen Leben tatsächlich Engländerin, und zwar mindestens Anne Boleyn. Dabei hatten immer alle auf Französin getippt. Dabei mag ich Brigitte Bardot, Juliette Binoche oder Sophie Marceau gar nicht. Französische Frauen sind meist viel eingebildeter und furchtbar zickig, Engländerinnen und Amerikanerinnen aber häufig viel cooler und bodenständiger. Sie haben das, was man "class" nennt, und zwar nicht im klassenkämpferischen Sinne, sondern der edlen und noblen Attitüde wegen (kein Wunder: in England herrscht ja auch immer noch die Monarchie, und das gewaltig).

Ich denke ich bin "hardly French, rather British and in many ways American". Als ich mal mit den Füßen auf dem Tisch in der Bibliothek las, kam eine russische Freundin mit diesem Vergleich auf mich zu. Aber die wäre nur zu gern Französin gewesen, obwohl sie die Sprache gar nicht beherrschte. Highly strung.

 

geschrieben am 13. März 2015 nach meiner Rückkehr aus Bärlin und am 23. Mai 2015 überarbeitet