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Horch was kommt von draußen rein, holahi, holaho - ist´s das Echoooo?


Nichts ist so alt wie ein veralteter Zeitungsartikel, vor allem in unseren schnelllebigen Medienzeiten. Da will ich WAZ-Redakteur Frank Preuß in nichts nachstehen und doch noch einen Nachzügler-Artikel zur Echo-Verleihung in Berlin nachreichen, die ich mir sehr aufmerksam und mit viel Freude angesehen habe. Gleich vorweg: am meisten gefiel mir die Performance von Herbert Grönemeyer, der seit seinem neuesten Hit einen Stein bei mir im Brett hat. Denn nicht nur ist der Song wunderschön und geht unter die Haut, er ist zugleich auch eine tolle Hommage an alle, die lieben. An zweiter Stelle kam für mich James Baye, der tatsächlich aussah wie ein junger Johnny Depp - ein Vergleich, mit dem man ihn wahrscheinlich eher beleidigt hätte, denn ganz so deppig wirkte er nämlich nicht. Und schließlich fand ich Andreas Gabalier in Personalunion mit Xavier Naidoo denkwürdig. Der nicht nur musikalisch ziemlich geschmacklose "Mountainman" sollte uns wohl vorführen, womit der Steiermarker so sympathisiert, was er auch bei seiner Entgegennahme des Echopreises gerne ein bißchen ausgeführt hat: sein Freund Xavier habe ihm nicht nur über den Tod seiner Schwester hinwegzukommen geholfen, was zweifellos sehr ehrenwert ist, sondern schien seinem Kollegen auch recht zugetan in Gesinnungsfragen: wen man dann aus dieser Richtung kommend so alles auf die Reise schicken möchte, konnte man sich auch ohne viel Phantasie ausmalen. Der Deutschtümler und Patriot Xavier mit dem nicht minder großdeutschen Gabalier, der sich mal besser seines schönen französischen Namens besonnen hätte statt sich in so eine Phalanx einzureihen, könnte sich zum Beispiel ja auch mal damit auseinandersetzen, dass er fremdländische Wurzeln nicht nur im Namen hat. Aber nein, er tut es lieber auf eine Art, in der er so auf cool macht, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft. Und die Eurovisionskandidatin Ann Sophie gab die neue Amy Winehouse, weil sie ihr wie aus dem Gesicht geschnitten zu sein scheint, aber hoffentlich nicht ganz so viele Drogen konsumiert und halbdebile Chaoten als Männertyp favorisiert. Nana Mouskouri gestand derweil, dass sie anfing zu singen, weil sie die Liebe suchte und da sie sich selbst nicht schön fand, scheint das kurzerhand ihre Tochter für sie erledigt zu haben, Kassengestell hin oder her. Und nicht zu vergessen die Performance von Stefanie Heinzmann, die nicht nur ihr cooles Lied präsentierte, sondern damit auch im Trio mit den Holländern von Commons Linnets brillierte.

Barbara Schöneberger führte wie immer geistreich und souverän durch die Sendung und erinnerte uns alle daran, dass Aha einmal die Lieblingsband aller pubertierenden Mädchen gewesen ist (außer von mir). Dass sie die Sendung als "Helene-Fischer-Festspiele" kürte, ließ erahnen, wer die meisten Preise abräumen würde, und daran hat man sich in den vergangenen Jahren ja auch gewöhnt. Als eine Zeitlang nur Lena Meyer-Landrut die Unterhaltungsmedien dominierte, konnte bald niemand mehr ihren Namen hören vor lauter Lena-Manie: genau das nahm nun Helene Fischer für sich in Anspruch. In Deutschland übertreibt man es aber auch gleich immer mit den Stars statt sie einfach auch mal Mensch sein zu lassen. Denn was so mancher aus der Musik- und Unterhaltungsszene gewohnt ist und was man immer wieder hört, nämlich, dass es dort kreuz und quer durch die Betten geht, bestätigte sich mal wieder. Wer die Kameraführung aufmerksam verfolgt hat, konnte merken wer wann genauer eingeblendet wurde und was daraus eventuell für Schlüsse zu ziehen sind. Sasha und Sarah Connor, der Scooter-Sänger von "Hyper, hyper" mit wer-weiß-wem und Helene Fischer eben mit Uwe Kanthak. Ja mei, ist der Florian Silbereisen am Ende doch zu dünn oder zuviel mit DJ Ötzi unterwegs? Ja, sagen´s amal, ist der sympathische Manager nicht eine hervorragende Vaterfigur? Helene meistert ihre Karriere vorbildlich: der eine Mann für die Öffentlichkeit und die Omas und Opas, die glauben sollen, ein jung-dynamisches Sängerpaar erobere die Herzen wie im Durchflug, und der andere Mann zum Anlehnen, zur PR-Arbeit und zum Leben und Lieben. Da hat unsere Helene doch zwei Fliegen so wunderbar und strategisch mit einer Klappe geschlagen, dass es einem doch glatt den Atem verschlägt. Ganz "atemlos" hechelt man so allen ahnungslosen Möchtegernliebhabern hinterher, die noch alle glauben der Florian war´s!

Und dass zum Schluss Helene Fischer so inbrünstig von Barbara Schöneberger besungen wurde, muss Andrea Berg geschmerzt haben. Aber so ist halt der Showbiz: Kulisse für die Zuschauer und Fans, und viel böses Blut dahinter. Da helfen Helene Fischer auch ihre Draculazähne nichts. Sie kann einfach nur schön, zart und lieblich sein und da sich dieses Image am besten verkauft und sie aber tatsächlich auch einfach sie selbst ist und dabei meistens wunderbar und fast immer perfekt, wird es wohl auch so bleiben. Dracula hin oder her, rumänische Karpaten hü oder hott, Sibirien ade, Adele geschluckt und ACDC übertrumpft (ja, so ist das halt wenn man als Althardrocker ein Loblied auf Deutschland singt!), Karl Moik zum Tode und zum Trotz und Udo Jürgens mal eben rechts überholt. Mann, Mann, Mann...!