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Babyboomer oder Babybuhmann

 

Nun ist es amtlich: Deutschland ist nicht nur Europas, sondern der Welt führender Babybuhmann: auf 1000 Einwohner kommen ca. 8,2 Neugeburten. In Großbritannien sind es über 12, ganz zu schweigen von Frankreich, dem Vorzeigeland in Sachen Familie und Kinder in Bezug auf Mittel-, West- und Osteuropa. In Südeuropa gilt Italien als kinderfreundlichstes Land und als asiatischer Nachbar ist auch die Türkei ganz vorne mit dabei, wenn es ums Kinderkriegen, -aufziehen und -verhätscheln geht. Soweit müßte man in Deutschland gar nicht gehen: es würde schon reichen, wenn sich mehr Paare oder Paarungswillige fänden, die Kinder großziehen wollen und können. Vielleicht mangelt es gar nicht so sehr am Wollen als tatsächlich am Können: prekäre Beschäftigungsverhältnisse und zunehmende Fremdgehbereitschaft durch die zunehmenden Möglichkeiten durch gestiegene Mobilität, Partnerbörsen und social media und nicht zuletzt das Vorleben des Männlein-oder-Weiblein-wechsel-dich durch Stars und Sternchen verunsichern potentiell werdende Eltern, für die Liebe und nicht Abenteuer im Vordergrund stehen sollte. Neben den relativ dramatischen Lebensbedingungen von Teeniemüttern und Alleinerziehenden sind es nun auch noch ausgerechnet die im Grunde eher steigenden Möglichkeiten der Lebensgestaltung, die viele vom Gebären und Familiegründen abhalten, ja abschrecken.

In einem Land mit den mit am höchsten liegenden Lebensstandards, einer boomenden Wirtschaft und im Weltvergleich relativ sicheren und komfortablen Lebensbedingungen meiden viele junge Menschen das, was nach Ansicht vieler Gesellschaftsforscher das größte Glück verspricht: im Herzen der eigenen Familie mit mehreren Kindern alt zu werden, seinen Lebensabend rückblickend mit dem Erfolg der Familiengründung zu genießen und Kinder und Enkel als Unterstützung und Hilfe zu wissen. In der Biologie des Menschen ist das jedenfalls so angelegt, in seiner Philosophie offensichtlich nicht unbedingt. Viele versprechen sich vom Singledasein, von serieller Monogamie oder dem kinderlosen Paarleben mehr Glück, Zufriedenheit und vor allem Freiheit als durch die Verantwortung, die Ehefrau oder -mann und Kinder mit sich bringen. Dabei ist auch das Übernehmen von Verantwortung im Menschsein angelegt, auch wenn sich viele dieser aus Bequemlichkeit, Angst oder schlicht Dummheit entziehen. Ein Leben ohne Verantwortung, ob nun für sich oder für andere Lieben oder Fremde wäre wie ein Sandkastenspielplatz - auf Dauer eben langweilig.

Die Politik in Deutschland steht in der Verantwortung, ein kinder- und familienfreundlicheres Umfeld zu schaffen, in der Kinder und Familien nicht als Last empfunden, sondern gerne angenommen werden. Ob es nun flexible Arbeitszeitmodelle, Kitapätze bzw. größere Wahlmöglichkeiten und vor allem bessere zukunftsweisendere Bildung sind: was fehlt sind Sicherheiten, mit denen man planen und immer rechnen kann, ohne von der eigenen Lebensqualität zu viel abgeben zu müssen für den Preis, der Gesellschaft ihre neuen Mitglieder zuzuführen. Kinderkriegen und Kindergroßziehen sollte genauso viel Spaß machen können wie Hobbies, andere Formen der Selbstverwirklichung und Freiheitsstreben. Es müssen ja nicht unbedingt die Fernsehmütter mit den zehn oder 17 Kindern sein, die als Beispiel dienen.