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ARTE


Meine Freundin Anke schickte mir eines Tages eine E-Mail, die 26 europäische Bürger dazu einlud, an einer Diskussionsrunde im Sender ARTE teilzunehmen. Geladen hatte kein Geringerer als Patrick Poivre d´Arvor, einer der legendären französischen TV-Moderatoren. Ich sagte zu und flog nach Paris. Dort angekommen wurde ich von einem der Moped-Taxis durch den Pariser Nachmittagsverkehr chauffiert hin zum Sendeort. Wir wurden zunächst namentlich registriert und kurz gebrieft, sodass wir uns darauf einstellen konnten, um was genau es in der Sendung gehen sollte. Das Thema hieß "Freiheit und Sicherheit", denn gerade zu dieser Zeit waren die ersten Terrorismusgesetze in Europa erlassen worden, die die Freiheit der Bürger einschränken und ihre Sicherheit gewährleisten sollten.

Es waren Bürger aus fast allen europäischen Ländern angereist, darunter auch welche aus Schweden und Rumänien. Aus Deutschland nahm ich gemeinsam mit Sophia Dafinger und zwei anderen Bürgern teil. In der Vorstellungsrunde durften wir Patrick Poivre d´Arvor, der sich bereits auch als Schriftsteller einen Namen gemacht hat, Fragen stellen. Die französischen Mitarbeiter des Senders wiesen uns ein, die Damen wurden geschminkt und auf ging´s aufs Parkett. Zunächst kamen einige Einspieler, die die Situation in Italien, wo bereits Bürgerwehren entstanden waren, und Holland, wo Discobesucher mit speziellen Chips ausgestattet wurden, beleuchten sollten.

Als Experten waren unter anderem ein Richter aus Paris, der als Terrorismusexperte fungierte, der damalige Vorsitzende und Mitbegründer des Chaos-Computerclubs und Günter Wallraff geladen. Ich stellte meine Frage über die Ermittlungen gegen Milli-Görüs-Anhänger in Deutschland an Herrn Wallraff, mit dem ich anschließend eine nette Unterhaltung hatte. Er ging ausgiebig auf die Überwachungstechniken ein und darauf, was ihm selbst in dieser Hinsicht bereits widerfahren war. Leider hatte Patrick Poivre d´Arvor meine Frage nicht ganz aufgegriffen, sodass ich ihn in der kurzen Pause (die Sendung wurde live ausgestrahlt) darauf hinwies. Zwischendurch kamen nochmals die Maskenbildner und puderten uns die Gesichter.

Neben mir saß ein Franzose, der nebenbei als Astrologe für ein Callcenter in Paris arbeitete, und echauffierte sich über die große Party der Banker. Er merkte an, dass die breite Bevölkerung nicht so wirklich viel davon gehabt habe. Andere monierten, dass vielleicht bald sogar ARTE abgestellt werden könnte, was natürlich ausserhalb jeder Wahrscheinlichkeit lag, da die deutsch-französische Freundschaft unter anderem auch durch diesen Fernsehvertrag vertreten wird.

Mit im Publikum saßen auch Waffenhändler, Verkäufer und Rentner und wir hatten eine lebhafte Diskussion mit vielen kritischen Fragen. Besonders bemerkenswert fand Patrick Poivre d´Arvor, dass vor allem die Securitate in Rumänien alles abgehört und kontrolliert hatte und dass so ein ursprünglich so freiheitliches Land wie Holland Kontrollchips eingeführt hatte.

Meine erste Fernseherfahrung war von daher sehr spannend und interessant und es hat mir großen Spaß gemacht, über ein so wichtiges Thema mit Experten und interessierten Bürgern zu debattieren. Außerdem war es wie immer schön, mal wieder in Paris zu sein, wo wir vor und nach der Sendung ein wenig durch die Straßen und Cafés schlenderten. Das Thema "Freiheit und Sicherheit" ist seitdem sehr aktuell geblieben und wir sehen noch heute die Auswirkungen. Insofern war diese Sendung eine der Pioniere in der Berichterstattung über diese Problematik.

Wir waren uns fast alle einig, dass mehr für die vermeintliche Sicherheit als für die Freiheit der Bürger getan wird und dass es ein Ungleichgewicht auch zwischen den Ländern gibt. Vieles hat sich seit dieser Sendung im Jahr 2009 bereits geändert, manches wurde verschärft und einiges auf den Weg gebracht. Zum Beispiel hat die Datensammelwut kein Ende genommen und viele wissen nicht so genau, was mit ihren Daten eigentlich alles gemacht wird. Insgesamt bleibt die Thematik also nachwievor virulent.