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Ich war die Märchenprinzessin

 

Wenn ich mit meinem Freund Essen zubereitete und dabei Knoblauchzehen geschält werden mussten, pflegte er zu sagen: "Na, biste mal wieder die Prinzessin auf der Erbse?" Dabei habe ich gar nichts gegen das Knoblauchschälen, und schon gar nicht gegen Knoblauch. Ich bin sogar sehr für Arbeitsteilung und auch fürs Kochen mit Knofi, auch wenn zu viele Köche und sogar zu viel Knoblauch bekanntlich den Brei verderben. Ich delegiere solche Aufgaben nur dann, wenn es schnell gehen muss. Ansonsten scheue ich keine Mühen, wenn es darum geht Essen zuzubereiten. Ich erinnere mich noch, wie ich ein ganzes Geburtstagsbüffet für vierzig Gäste allein zusammengestellt habe und sich alle höchst zufrieden über die Wampe strichen und fragten, wann es wieder soweit sei Köstlichkeiten goutieren zu dürfen. Die Schlacht am kalten Büffet wurde daraus nicht, denn es gab auch Warmes. Allerdings war ich hinterher so erschöpft, dass ich mich am liebsten nach Rom zurückgewünscht hätte, wo ich kurz zuvor noch zu Forschungszwecken (tatsächlich zu historischen!) gewesen war. Eine Bekannte erwiderte zwar auf diesen von mir geäußerten Wunsch, das könne ich meiner Oma erzählen, aber die ist leider schon seit 15 Jahren tot und wäre von daher kaum dazu in der Lage, sich meine Anekdoten aus dieser Zeit anzuhören.

Nicht zufällig heißt besagtes Märchen tatsächlich "Die Prinzessin auf der Erbse" - denn Erbsen sind nicht nur klein (oder kennt jemand eine richtig hochgewachsene Prinzessin?), sondern auch grün, schmecken gut und sind gesund. Es sei denn man hat eine Erbsenallergie oder eine gegen die Farbe grün. Allerdings sind sie hart, wenn ungekocht. Und genau das spürt die echte Prinzessin selbst durch zwanzig Matratzen hindurch. Sie beklagt sich, auf etwas Hartem gelegen zu haben, obwohl doch so viele mehr oder weniger weiche Matratzen dazwischenlagen. Das spürt eben nur eine wahrhaftige Prinzessin.

An Karneval trug ich mal ein Prinzessinnenkleid und fühlte mich darin sichtlich wohler als in einer türkischen Folkloretracht, die meine Tante in der Türkei eigens für mich genäht hatte. Ganz keusch hielt ich einen Teil der Kopfbedeckung vors Gesicht, wie es auf einem Foto zu sehen ist.

"Ich war der Märchenprinz" war lange Zeit eine meiner Lieblingslektüren. Dabei geht es um einen Mann, der auf die Zeitungsannonce einer Feministin reagiert und sie anschließlich mit allerhand Wortwitz auf die Schippe nimmt und durchschaut. Damals wußte ich noch nicht, dass der Autor dieses kleinen satirischen Bändchens der Kabarettist Henning Venske war. Ich habe stets geglaubt, diesen Arne Piewitz, wie es auf dem Buchcover stand, gäbe es wirklich, und er amüsiere sich über den Feminismus und dessen Vertreterinnen zu Tode, weil sie einfach so vermeintlich verbohrt, bissig und humorlos sind. Ich habe die Lektüre des Buches als Jugendliche sehr genossen und allen möglichen Freunden davon vorgeschwärmt, weil es mir einfach gefallen hat, wie sich jemand über eine Ideologie lustig macht, was der Feminismus ja zweifellos ist, nämlich die Idee von der Unterdrückung und Benachteiligung der Frau. Leider eine Idee, die tatsächlich weitverbreitet ist und fast tagtäglich beobachtet werden kann mit Ausnahme einiger Glücksfälle, denen einiges so in den Schoß gefallen zu sein scheint, dass er ihnen gute Dienste zu leisten vermochte.

Nun habe ich in einer Talkshow erfahren, wer also hinter diesem Arne Piewitz steckt, und bin zugegebenermaßen ziemlich baff. Kurzerhand habe ich das Buch wieder hervorgekramt und wollte mich vergewissern, ob ich heute noch genauso darüber lachen kann wie vor circa fünfundzwanzig Jahren. Manchmal blieb mir das Lachen im Hals stecken, wenn ich an solche Vertreterinnen wir Kristina Schröder oder Alice Schwarzer denken mußte, und nachwievor scheint es so, dass Frauen wie Barbara Schöneberger, Christine Neubauer, Madonna, Ruth Moschner, Karolin Kebekus, Heidi Klum oder Verona Pooth alias Feldbusch offensichtlich mehr im Sinne der Frauen zu erreichen scheinen als ausgewiesene Feministinnen, die etwa für die Magazine Emma oder Konkret schreiben. Humor ist eben wenn man trotzdem lacht.

 

geschrieben am 10. März 2015, zwei Tage nach dem Internationalen Frauentag, den ich - ähnlich wie den Mutter- oder Vatertag - gerne abgeschafft sähe, damit sich das Einfordern von Respekt nicht nur auf einen Tag im Zufallskalender beschränkt